Fragen zum Thema Liturgie (Stehen, sitzen, knien)

Fam. Eder hat beim Leiter des Liturgischen Institutes der österreichischen Bischofskonferenz P.Winfried Bachler nachgefragt, ob es Richtlinien gibt wg. stehen, sitzen oder knien in der Hl. Messe.

Hier seine Antwort: 

Liebe Familie Eder, lieber Josef,

Offizielle klare Richtlinien über die "Haltungen" der Gemeinde
bei der Messfeier gibt es letztlich nicht, da dies dann überall 
in der Weltkirche (in Europa, in Asien, Amerika,  in Afrika etc.)
gelten würde. Es gibt aber in der "Allgemeinen Einführung zum 
Messbuch" deutliche Hinweise, wie es (bei uns) sein soll, wenn
es die äußeren Umstände erlauben.

Von daher soll bei der Feier der Heiligen Messe gelten: 

Eröffnung: 
Einzug, Begrüßung, Bußakt, Kyrie, Gloria und  Tagesgebet: Stehen

Wortgottesdienst:
Bei (1.) Lesung; Antwortpsalm und (2.) Lesung: Sitzen;
Beim  Ruf zum Evangelium (Halleluja-Ruf),  Evangelium:  Stehen
Bei der Predigt: Sitzen
Beim Glaubensbekenntnis und Fürbitten: Stehen

Eucharistiefeier:
Bei der Gabenbereitung: Sitzen
Beim Gabengebet, Präfation und Sanctus: Stehen
Beim Eucharistisches Hochgebet: Stehen oder knien (knien bei
 der "Wandlung")
Beim Vaterunser und Brotbrechung (Agnus Dei): Stehen
Bei der Einladung zur Kommunion: Stehen oder knien
Beim Kommunionempfang: Stehen oder knien
Bei der Danksagung nach der Kommunion: Sitzen oder knien
Beim Dank- bzw. Loblied: Sitzen oder stehen
Beim Schlussgebet: Stehen

Abschluss:
Bei den Verlautbarungen: Sitzen
Beim Segen: Stehen oder knien
Bei der Entlassung und Auszug: Stehen

Beim Kommunionempfang wird ausdrücklich darauf hingewiesen, 
dass es bei uns allein der Entscheidung des Kommunikanten
überlassen bleibt, ob er die Heilige Kommunion in der Form
der  Mundkommunion oder der Handkommunion empfangen will, 
und ob einer beim Kommunionempfang knien oder stehen will.
Beim Papstgottesdienst in Rom gilt derzeit, dass jene, die
beim Papst zur Kommunion gehen, die Kommunion nur kniend 
und in Form der Mundkommunion empfangen dürfen.   

In der ersten Zeit der Kirche (in der Zeit der Urkirche) 
war die einzige Grundhaltung der Christen das "Stehen" 
zum Zeichen dafür, dass wir durch Jesus Christus erlöst sind.
So beten wir auch im Zweiten Hochgebet: "Wir danken dir, dass
du uns berufen hast, vor dir zu stehen und dir zu dienen:"

Dies sind so die Grundhaltungen, wobei es oft ein "oder" gibt.
Wünschenswert ist es freilich, wenn bei einer gemeinsamen
Feier auch alle die gleiche Haltung einnehmen.
Wenn man sich also diesbezüglich in einer Pfarrgemeinde
gemeinsam zu einer anderen Haltung (z. B. Knien während des
gesamten Hochgebetes bis zum Vaterunser), entschieden hat,
so ist  das wünschenswert und auch in Ordnung.
Gefährlich wird es aber, und von daher wäre es auch abzulehnen,
wenn man allein von seiner äußeren Haltung her  über einen 
urteilen wollte, ob einer fromm bzw. nicht fromm ist. Wichtig
ist vielmehr die volle, bewusste und tätige Mitfeier der Liturgie.

Ich hoffe, ich konnte Euch mit dieser Antwort weiterhelfen.
Mit lieben Grüßen aus Salzburg 
Euer P. Winfried

Fam. Eder hat dann noch nachgefragt:

Lieber Pater Winfried

Jetzt hätte die Fam. Eder noch eine Frage:

Wenn ich im Herzen spüre, dass ich mich beim:  Bussakt, Fürbitten, 
Sanctus und Agnus Dei - niederknien möchte, bin ich dann ungehorsam ?

Vergelts Gott für Deine Antwort.

Die Antwort:
Lieber Josef,
beim Bußakt und bei den Fürbitten kann man natürlich auch knien. Beim
"Sanctus" ist es weniger passend, da dieses unmittelbar mit der
Danksagung und dem Lobgesang der Präfation verbunden ist. Auch beim
Agnus Dei kann man knien. Das alles  ist aber nicht eine Frage des 
Gehorsams bzw. Ungehorsams, sondern ob es  der Eigenart des Gebetes
bzw. des Gesanges entspricht.  Und dann auch:  wie die Haltung der 
Gottesdienstgemeinde ist und warum sie so ist.
Mit lieben Grüßen
P. Winfried
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4 Antworten zu Fragen zum Thema Liturgie (Stehen, sitzen, knien)

  1. admin sagt:

    … um hier einmal klarzustellen:

    Es geht nicht darum, dass wir die Leute, welche stehen oder sitzen wollen, tadeln… sondern das wir unentwegt bekriegt werden, weil wir an bestimmten Stellen aus ganzen Herzen, also aus eigenen glaubens-/gewissensgründen knien wollen, ständig angegrieffen werden. Sogar von Priestern / Patres öffentlich während der Heiligen Messe.

    Fakt ist: Hunderte von Jahren wurde das Volk bereitet, das wahre Demut geziegt wird, das wir vor Gott knien.
    Das was heute noch davon über ist, stillt nicht meine Glaubensüberzeugung! Mache jeder wie er / sie / es es will, wenn man doch uns entlich in Ruhe lassen würde.

    • Josef sagt:

      In der heurigen Fastenzeit hat bei uns der Priester Pfr. W.B. angeregt, beim Bussakt niederzuknien. Auch der Priester und die Ministranten haben sich niedergekniet. Das hat Fam. Eder sehr gefreut.

  2. Elisabeth H. sagt:

    Ich gebe zu, mich hat dieses Schreiben der Bischofskonferenz anfangs irritiert und zu diversen Diskussionen veranlasst. Meine Erkenntnis daraus ist: Es gibt KEINE Richtlinie der Kirche, wie die Körperhaltung während der Hl. Messe sein soll. Also kann man ja auch nichts falsch machen. Knien, wenn es von Herzen kommt, ist die schönste Art Gott zu zeigen, dass man bereit ist sich vor IHM klein zu machen, demütig zu sein. DeMut…Ja es braucht Mut zu knien, wenn alle anderen stehen…

  3. Margret FJM sagt:

    Ich knie aus Liebe zu Jesus, auch dort wo andere stehen, nicht um sie zu verurteilen oder ihnen zu zeigen, wer ich bin, nein, ich möchte auch niemandem zu nahe treten, sondern in Ruhe gelassen werden, weil ich meinen Gott aus ganzem Herzen, ganzer Seele und meinem ganzen Denken liebe, und gar nicht mehr anders kann. Die Liebe zu Ihm vertreibt die Furcht vor den Menschen, ich habe keine Angst, dass es falsch sein könnte, weil ich aus tiefstem Herzen Jesus liebe und es mich ganz einfach zu Boden zieht.

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