Allgemein,  Kirche/Liturgie

Predigt vom 18. Sonntag im JKR A – Pfarrer Rupert Toferer


Wir sehen im heutigen Evangelium das Erbarmen Gottes mit den Menschen. Nachdem Jesus die Botschaft gehört hat, dass Johannes der Täufer enthauptet worden ist, hat er den Wunsch, in die Einsamkeit zu gehen. Er will allein sein mit seinem Vater, um als Mensch Trost von ihm zu empfangen. Aber die vielen Menschen, die ihm nachgeeilt und zu ihm gekommen sind, haben ihn bewegt, die Stille wieder zu verlassen und sich den Menschen, besonders den Kranken zuzuwenden. Es ist dies ein Bild für das Erbarmen des Dreifaltigen Gottes. Gott selber tritt aus dem Geheimnis der Dreifaltigkeit hinaus, ein Mensch zu werden und nach den Menschen zu schauen. Jesus verlässt die Stille und wendet sich ganz den Menschen zu. Er heilt die Kranken und sättigt die Hungernden und macht so das Erbarmen, das Mitleid Gottes mit den Menschen sichtbar.
Das Evangelium zeigt auch, dass Jesus in der Ausübung seiner Barmherzigkeit das Mittun seiner Jünger mit einbezieht. Er nimmt sie in seinen Dienst. Sie sind seine Mitarbeiter. Das zeigt sich zuerst darin, dass er seine Jünger zum Mittun auffordert: „Gebt ihr ihnen zu essen! Kümmert ihr euch um sie! Schickt sie nicht weg!“ Jesus weiß, dass er damit etwas Unmögliches von ihnen verlangt. Mit dieser Aufforderung will Jesus den Glauben der Jünger stärken, dass mit seiner Hilfe das Unmögliche möglich wird, den vielen Menschen Essen zu geben.
Das Mittun der Jünger wird auch dadurch sichtbar, dass Jesus das Wenige, das die Jünger haben, die 5 Brote und 2 Fische, zu sich bringen lässt. Mit ihren menschlichen Gaben bewirkt er das Wunder der Speisung der 5000 Männer, dazu Frauen und Kinder.
Das Mittun der Jünger sehen wir auch darin, dass sie das Brot, das sich in den Händen Jesu auf wunderbare Weise vermehrt, an die Leute austeilen. Sie geben weiter, was sie von ihm empfangen.
Auch zu uns kommen Menschen mit verschiedenen Bedürfnissen. Und auch wir neigen dazu, sie wegzuschicken und ihnen zu sagen: Dafür sind andere zuständig, geht dorthin! Auch zu uns sagt Jesus: „Gebt ihr ihnen zu essen! Schickt die Leute nicht weg, die zu euch kommen! Kümmert ihr euch um sie!“
Aber auch für uns gilt, dass wir das nicht mit unseren menschlichen Fähigkeiten allein tun können. Auch wir sollen das, was er uns gibt, an die Menschen weitergeben. Er möchte durch uns den Menschen Nahrung geben, sowohl materielle als auch geistliche Gaben. Er möchte ihnen durch uns sein Wort geben. Er möchte sie durch uns im Glauben und in der Hoffnung stärken, wo die Menschen oft wackelig sind. Er möchte ihnen durch uns seine Liebe spüren lassen, was sich schon darin zeigt, wenn wir uns Zeit für sie nehmen. Daher müssen wir immer wieder von ihm empfangen, um geben zu können.
Die Brotvermehrung ist somit ein Hinweis auf die Eucharistie. In der Gabenbereitung bringen wir das, was wir haben, Brot und Wein, das ist unsere menschliche Arbeit, zu ihm.
Wir bringen das Menschliche auf den Altar und bekommen das Göttliche zurück, Gott selber. Das ist die Gnade, die wir empfangen und die wir an die Menschen weitergeben.
Liebe Brüder und Schwestern!
Jesus möchte uns alle zu Mitarbeitern seines Erbarmens machen. Er möchte durch uns, dort, wo wir leben und wirken, seine Gaben an die Menschen austeilen.  Amen.

Eine Antwort schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.