Kirche/Liturgie

Predigt vom 25. Sonntag im Lesejahr A – Pfr. Rupert Toferer (Kössen-Schwendt)

 

„Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und eure Wege sind nicht meine Wege“, so spricht Gott, der Herr, in der ersten Lesung. Das Gleichnis im Evangelium bestätigt diese Aussage der Lesung und zeigt uns, dass Gottes Gedanken nicht unsere Gedanken sind.

Unsere Gedanken sind oft wie die Gedanken der Arbeiter im Weinberg, die den ganzen Tag gearbeitet haben. Sie fühlen sich ungerecht behandelt, weil sie auch nur einen Denar bekommen, obwohl sie den ganzen Tag über die Last der Arbeit und die Hitze ertragen haben. Ein Denar, das ist der damalige Tageslohn eines Arbeiters gewesen, mit dem er seine Familie einen Tag ernähren konnte. Den Arbeitern ist es daher nicht um den Erfolg der Arbeit, sondern, darum gegangen am Abend den Lohn zu erhalten. Ihr Denken ist ganz auf die Gerechtigkeit ausgerichtet: Mehr Leistung, mehr Lohn.

Im Gutsherrn dürfen wir Gott, unseren Herrn, erkennen. Sein Denken übersteigt unser Denken. Einerseits handelt er gerecht und tut den Arbeitern, die den ganzen Tag gearbeitet haben, nicht Unrecht. Sie bekommen, was er mit ihnen vereinbart hat.

Aber Gott ist nicht nur der Gerechte, sondern auch der Barmherzige, der Gütige. Seine Güte bewegt ihn auch den anderen Arbeitern, die nur kurz im Weinberg gearbeitet haben, den ganzen Tageslohn zu geben. Er gibt auch ihnen einen Denar mit dem sie ihre Familie einen Tag ernähren können. Er will, dass auch sie das erhalten, was sie zum Leben brauchen. Gott ist barmherzig. Er ist die Liebe.

Das Evangelium regt auch in uns die Frage an: Können wir uns freuen mit Menschen, die nicht die volle Leistung der Arbeit bringen können und doch den Lohn bekommen, den sie für das Leben brauchen? Können wir uns darüber freuen, was andere an Zuwendung und Hilfe erfahren, obwohl sie es nicht verdienen? Sind wir frei von Neid und Missgunst?

 Das Denken und Handeln, besonders auch in unserer Zeit, ist von Leistungs- und Lohndenken bestimmt. Menschen stehen unter schweren Druck, weil sie die Leistung nicht erbringen können, die von ihnen gefordert ist, um den Job zu erhalten. Wir beurteilen und belohnen Menschen nur nach ihrer Leistung. Aber damit kommen wir im Leben nicht durch. Denken wir zum Beispiel an Menschen, die verliebt sind. Es wäre gar nicht möglich alles mit Lohn zu vergelten, was Eheleute füreinander tun.

Wenn wir heute in unserer Pfarre das Herbstfest des Seniorenheimes feiern, dann können wir auch an alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Altenheim denken. Es ist unmöglich dort eine gerechte Abgeltung von Leistung und Lohn durchzuführen. Wie oft ist rein die Liebe die Motivation diesen und jenen Weg zum Heimbewohner nicht nur einmal, sondern immer wieder zu gehen.

Auch viele Ehrenamtliche im Dienst der Kirche und der Menschen machen sichtbar, dass die gerechte Vergeltung von Leistung und Lohn nicht durchgehalten werden kann.

 Liebe Brüder und Schwestern!

Wenn wir die heilige Messe feiern, dann danken wir Gott für seine große Liebe und Güte, mit der er uns erlöst hat. Um uns von den Sünden zu erlösen und so die Tür ins Reich Gottes aufzutun hat er unendlich viel mehr bezahlt als wir hätten verdienen können. Das Reich Gottes ist und bleibt ein Geschenk. Es liegt an uns es anzunehmen.

So möchte uns Jesus helfen vom reinen Leistungs- und Lohndenken loszukommen. Er möchte uns helfen unsere Arbeit und unser christliches Tun als Ausdruck unserer Liebe zu Gott und den Menschen zu sehen. Das, was wir leisten, sollte aus der Liebe zum Herrn kommen. (Vgl. P. Hans Buob, Biblische Predigten zu den Sonntagsevangelien Lj A, S 350-351). Wir brauchen nicht zu fürchten im Leben zu kurz zu kommen. Die Botschaft von Gottes Güte und Barmherzigkeit stärkt unser Vertrauen, dass wir einmal diesen einen Denar erhalten, mit dem letztlich das ewige Leben gemeint i

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