Kirche/Liturgie

Predigt zum 2. Sonntag im Jkr. Lj B (Pfr.Rupert Toferer, Kössen)

Im Evangelium haben wir die Worte gehört: „Als Jesus vorüberging, richtete Johannes seinen Blick auf ihn“. Es geht hier um mehr als einfach nur darum, dass Johannes Jesus vorbeigehen sieht.

Es geht hier um ein tieferes Sehen. Im griechischen Urtext gibt es für „Sehen“ verschiedene Worte. Wir können sie im Deutschen immer nur mit den gleichen Worten übersetzen: Sehen oder schauen. Das griechische Wort, das hier verwendet wird, heißt eigentlich staunend auf Jesus schauen, ihn bewusst anschauen. Johannes entdeckt plötzlich etwas an Jesus, das er mit den leiblichen Augen nicht wahrnehmen kann. Es leuchtet ihm eine Wahrheit über Jesus auf. Sehen meint hier also ihn erkennen. Und Johannes gibt diese Erkenntnis an die Leute weiter: „Schaut, das Lamm Gottes“!

 Von den beiden Jüngern, die bei ihm standen, heißt es: Sie hörten, was Johannes sagte und folgten Jesus nach. Es geht also auch um das Hören. Die Jünger hören die Worte und werden durch diese Worte bewegt Jesus nach zu gehen. Es gibt also auch ein tieferes Hören als nur ein Hören mit den Ohren. Es gibt ein Hören mit dem Herzen.

Es gibt ein Sehen und Hören, das ein inneres Erkennen und Verstehen ist.

Wir machen selber die Erfahrung: Manchmal entdecken wir etwas am Mitmenschen, das wir bisher noch nicht erkannt haben. Auch Eheleute machen aneinander immer wieder neue Entdeckungen. Sie können nie vom Partner sagen: Jetzt erkenne ich ihn ganz.

Oder auch beim Hören ist es ähnlich. Immer wieder werden im Gottesdienst dieselben Bibelstellen verkündetet und sie berühren uns kaum. Und dennoch kann es plötzlich geschehen, dass ein Wort tiefer geht, dass mir ein Wort klarer aufleuchtet und ich mich persönlich angesprochen weiß.

So ist es Vielen ergangen, die Jesus nachgefolgt sind, wie zum Beispiel dem Heiligen des gestrigen Tages, dem heiligen Antonius, dem Vater des Mönchstums.

Nach dem Tod seiner Eltern – er war erst 18 oder 20 Jahre alt – ist er nach seiner Gewohnheit zur Kirche gegangen und er hat das Evangelium gehört, in dem es heißt:

„Wenn du vollkommen sein willst, geh, und verkauf deinen Besitz und gib das Geld den Armen, so wirst du einen bleibenden Schatz im Himmel haben, dann komm und folge mir nach“. Es war dem heiligen Antonius als seien diese Worte für ihn bestimmt und er ist sofort aus der Kirche hinausgegangen und gab, was er von den Eltern besaß, den Leuten im Dorf, sodass ihm nichts mehr zum Hindernis werden konnte für die Nachfolge Jesu.

Wir erkennen an diesem Beispiel, dass dieses tiefere Hören und dieses tiefere Sehen ein Wirken Gottes an uns ist. Das wird auch im heutigen Evangelium sichtbar. Von den beiden Jüngern heißt es, dass sie mit Jesus gingen und sahen wo er wohnte und jenen Tag bei ihm geblieben sind. Die Zeit, die sie bei ihm verbrachten, hat sie sehend gemacht. Das Beisammensein mit Jesus hat bewirkt, dass sie ihn nun als Messias erkennen. Vorher haben sie ihn nur als Rabbi angeredet. Und wie Johannes können sie diese Erkenntnis nicht für sich behalten. Andreas gibt sie sofort an seinen Bruder Simon Petrus weiter und führt ihn zu Jesus.

Liebe Brüder und Schwestern!

Das Evangelium lässt uns erkennen, wie wertvoll die Zeit ist, die wir bei Jesus verbringen. Er selber schenkt uns ein tieferes Sehen, ein tieferes Hören. Er lässt uns erkennen, wer Er für uns ist; er schenkt uns auch einen tieferen Blick für unsere Mitmenschen. Ich bitte ihn manchmal: Lass mich erkennen, welche Kostbarkeit jeder Mitarbeiter und Mitarbeiterin in der Pfarre ist. Er schenkt uns auch einen tieferen Blick und ein tieferes Hören für die Natur. Er lässt uns die Spuren seiner Herrlichkeit in der Schöpfung erkennen. Möge uns gelingen gerne der Einladung Jesu zu folgen: „Komm und sieh“! Amen!

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