Kirche/Liturgie

Predigt zum 27. Sonntag Jkr, Lj B – Erntedank (Pfr. Rupert Toferer, Kössen)

Wir feiern die heilige Messe zur Danksagung für die Ernte des Jahres.

Ernte kann Vieles bedeuten. Wir danken für die Gaben, die uns Gott durch die Natur geschenkt hat, für die Sonne, die er unser heuer reichhaltig geschenkt hat, für den Regen, wenn er auch spärlich war, aber bei uns doch immer wieder zur rechten Zeit gefallen ist. Wir danken für die reiche Heuernte, durch die es möglich ist im Winter das Futter bereitzustellen für die Tiere, durch die uns wieder viele Gaben geschenkt werden, wie Milch und Käse und vieles andere.

Wir wollen Gott auch danken für die Kraft und die Fähigkeiten, die er den Menschen geschenkt hat, damit er die Erde bebauen und den Ertrag aus Garten, Wiesen, Wäldern und Almen einbringen kann. Danken dürfen wir auch für die Fähigkeiten der Handwerker, durch die es möglich ist Häuser und Wohnungen zu errichten oder auch ein Gotteshaus wieder schön zu machen, wie es zur Zeit bei uns geschieht.

Wir müssen Gott auch bitten um Weisheit für die Menschen auf der ganzen Welt, damit sie in rechter Weise mit der Schöpfung Gottes umgehen und die Schätze und Kräfte der Erde auch für nachfolgende Generationen erhalten bleiben. Das erfordert für jeden Einzelnen auch die Fähigkeit zu Verzicht auf Dinge, die für das Leben nicht notwendig sind.

In der Lesung und im Evangelium haben wir Worte Gottes gehört in denen es um den Plan Gottes für Ehe und Familie geht. Es findet ja jetzt im Oktober die Weltbischofssynode zu diesem Thema in Rom statt. Bei der Erschaffung des Menschen hat Gott die Worte gesprochen: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein bleibt. Ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm entspricht“. In den Tieren, die der Mensch mit Namen benannte und sich zu eigen machte, hat der Mensch noch nicht die Hilfe gefunden, die ihm entsprach.

Erst als Gott die Frau erschaffen und sie dem Menschen zugeführt hat, spricht der Mensch voll Freude: „Das endlich ist Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch“. In der Frau hat nun der Mensch die Hilfe, die ihm entspricht, die ihm ebenbürtig ist, die ihm nahe steht. „Bein von meinem Bein“ ist auch der bildhafte Ausdruck für die Beziehung, die Mann und Frau verbinden.

So wird der Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden. So hat Gott die Menschen als Mann und Frau geschaffen und es ist sein Wille, dass die beiden nicht mehr zwei, sondern eins sind, dass sie sich einander ergänzen und sich gegenseitig eine Hilfe sind.

So können wir am Erntedankfest auch einmal fragen: Hat der Mann schon gedankt für die Frau und hat die Frau schon gedankt für den Mann. Es ist eine Schwäche des Menschen, dass er zuerst oft nur das Schlechte und weniger das Gute im anderen sieht. Es ist wichtig sich zu bemühen das Gute im anderen zu sehen, mehr Goldgräber zu sein als Mistkäfer.

Das Evangelium spricht auch vom Problem der Ehescheidung. Zwischen Mann und Frau gibt es auch die Uneinigkeit, die Zwietracht und sogar die Scheidung. Jesus führt diese Übel auf die Hartherzigkeit des Menschen zurück. Die Herzenshärte ist die Unfähigkeit des Menschen zu lieben. Sie entspricht nicht dem Menschen wie ihn Gott erschaffen hat. Sie ist durch die Sünde in den Menschen hineingekommen durch die sich der Mensch von Gott abgewendet hat. Der Widersacher Gottes hat eine Macht über das Herz des Menschen gewonnen, sodass es dem Menschen schwerfällt und er sogar unfähig geworden ist den Plan Gottes zu leben, die Liebe, die Einheit zu verwirklichen.

Es hat daher die Erlösung des Menschen gebraucht, damit der Mensch wieder fähig wird die Liebe zu leben, verzeihen, ertragen und dienen zu können. Im Sakrament der Ehe kommt der Erlöser, Jesus Christus, selber zu den Eheleuten und stärkt sie mit seiner göttlichen Kraft zu lieben und treu zu sein. Die Gnade des Ehesakramentes kann aber nur wirksam werden, wenn die Eheleute die Beziehung zu Jesus auch leben.

Liebe Brüder und Schwestern!

Erntedank möchte uns einladen nachzudenken wie sehr wir von Gott durch die Gaben der Natur und der Gnade beschenkt sind. Wir sind eingeladen persönlich und immer wieder auch gemeinsam Gott Dank zu sagen. Dies tun wir besonders wenn wir zur heiligen Messe zusammen kommen, die ja Eucharistie genannt wird, was Danksagung heißt. Amen.

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