Kirche/Liturgie

Predigt zum 2. Sonntag der Osterzeit, Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit (Pfr. Rupert Toferer, Kössen/Schwendt)

Im Evangelium haben wir gehört, dass der Apostel Thomas bei der ersten Begegnung des Auferstandenen mit den Jüngern nicht dabei gewesen ist.

Die anderen Apostel können mit ihren Worten allein Thomas nicht von der Auferstehung Jesu überzeugen. Nur die Begegnung mit dem Auferstandenen selber hat die Jünger zum Glauben gebracht und so auch Thomas. Und es war ihm wichtig auch die Wunden Jesu zu sehen und berühren zu können, um wirklich sicher zu sein, dass es sein Herr ist, dem er nachgefolgt ist. Und Jesus gibt sich dem Thomas zu erkennen, indem er auch ihm erscheint und ihm seine Hände und seine Seite zeigt. So ist auch in ihm jeder Zweifel gefallen und er bekennt ihn als seinen Herrn: „Mein Herr und mein Gott“. Jesus trägt auch nach der Auferstehung die Wundmale an seinem verklärten Leib. Es sind seine Erkennungszeichen, die jeden Zweifel ausschließen, es könnte ein anderer sein.

Die Wunden sind auch die Zeichen seiner Barmherzigkeit zu uns Menschen. Wir begehen heute auch den Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit und sind eingeladen die Barmherzigkeit Gottes zu verehren und sie zu empfangen. In den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts hat Jesus eine polnische Ordensschwester, namens Maria Faustyna Kowalska, auserwählt und ihr die Barmherzigkeit Gottes tiefer schauen lassen und ihr den Auftrag gegeben allen Menschen Gottes Barmherzigkeit zu verkünden. Wir erkennen die Barmherzigkeit Gottes schon in dem, was wir zu Weihnachten gefeiert haben, dass Gott Mensch geworden. In einem Gespräch mit Jesus hat Sr. Faustyna die Worte gesprochen: „Durch Deine Barmherzigkeit bist du zu uns herabgestiegen um uns aus unserer Not zu erheben“.

 

Am vollkommensten aber zeigt sich die Barmherzigkeit Gottes im Blick auf das Kreuz. Um uns von den Sünden zu erlösen und uns wieder Anteil an seinem Leben zu schenken, ist Gott so weit gegangen, dass er seinen Sohn hingab. Die Barmherzigkeit Jesu erkennen wir darin, dass er sich verwunden lassen hat, um die Wunden unserer Seelen zu heilen.

Schwester Faustyna hat von Jesus auch den Auftrag bekommen eine Bild von ihm zu malen, so wie sie ihn am Abend des 22. Februar 1931 erblicken durfte. Jesus war mit einem weißen Gewand bekleidet. Eine Hand war zum Segnen erhoben und die andere hat das Gewand auf der Brust berührt. Von der Öffnung des Gewandes sind zwei große Strahlen ausgegangen, ein roter und ein blasser. Das Bild hat auch die Unterschrift bekommen: „Jesus ich vertraue auf dich“. Die beiden Strahlen verweisen auf das, was mit Jesus am Kreuz geschehen ist, als sein sterbendes Herz mit einer Lanze geöffnet wurde und dabei Wasser und Blut herausgeflossen sind. Die beiden Strahlen drangen also aus der Tiefe seiner Barmherzigkeit, die hineingegangen ist in die Sakramente der Kirche. Der weiße Strahl bedeutet das Wasser der Taufe, durch die Jesus unsere Seele reinigt und rechtfertigt und uns das neue Leben als Kinder Gottes schenkt. Er bedeutet auch das Sakrament der Buße, durch das immer neu unsere Seele von den Wunden der Sünden geheilt. Der rote Strahl ist ein Hinweis auf das Sakrament der Eucharistie, auf seinen Leib und sein Blut, durch das dieses neue Leben der Taufe genährt wird.

Jesus hat seine Apostel ausgesandt seine Barmherzigkeit den Menschen mitzuteilen. Er hat ihnen den Auftrag gegeben alle Menschen zu seinen Jüngern zu machen und sie auf den Namen des Dreifaltigen Gottes zu taufen. Er hat ihnen beim Letzten Abendmahl aufgetragen die heilige Eucharistie zu feiern in der sich Jesus selber zur Speise für die Seele gibt. Und heute haben wir gehört, dass er ihnen auch die Vollmacht und den Auftrag gegeben hat den Menschen die Sünden zu vergeben. Die Botschaft von Gottes Barmherzigkeit stärkt die Menschen im Vertrauen Gott ihre Sünden zu bekennen, denn die göttliche Barmherzigkeit ist größer als jedes menschliche Versagen.

 Liebe Gläubige!

Der Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit öffnet uns den Reichtum, der in den Sakramenten der Kirche enthalten ist. Er lädt uns ein reichlich aus den Quellen der Barmherzigkeit zu schöpfen, durch die uns Gott Anteil an der Fülle seines Lebens schenkt. Amen.

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