Kirche/Liturgie

Predigt zum 4. Sonntag der Osterzeit 2016 (Gute Hirtensonntag) (Pfr. Rupert Toferer, Kössen/Schwendt)

Jesus macht uns mit dem Bild vom Hirten und den Schafen deutlich wer seine Schafe sind: „Meine Schafe hören auf meine Stimme; ich kenne sie und sie folgen mir“.

Das Kennzeichen der Schafe, die ihm gehören ist, dass sie auf den Hirten hören und ihm folgen. Sie hören auf ihn und folgen ihm, weil sie vertrauen, dass er es gut mit ihnen meint, dass er sie beschützt, sein Leben für sie hingibt und dafür sorgt, dass sie alles haben was sie brauchen.

Wenn der Hirte anfängt mit den Tieren ungeduldig zu sein und sie schlägt, dann werden sie nicht mehr der Stimme des Hirten folgen, weil sie nicht mehr vertrauen, dass er es gut mit ihnen meint. Ich weiß von einem Bauern, der nie einen Stock gebraucht hat beim Hinaustreiben der Kühe vom Stall auf die Weide und auch beim Zurückbringen der Tiere in den Stall zum Melken. Die Tiere sind neben ihm hergegangen beinahe Schulter an Schulter, weil er gut ihnen umgegangen ist und sich viel mit ihnen abgegeben hat.

Es ist eine Eigenschaft der Schafe Jesu, dass sie auf ihn vertrauen und deshalb auf ihn hören und ihm folgen. Und Jesus selber sagt: „Ich kenne sie“, das heißt: Ich durchschaue sie ganz und gar, ich erkenne sie als meine Schafe, als mein Eigen. Und er macht ihnen die ganz große Zusage: „Ich gebe ihnen ewiges Leben“.

Im gleichen Kapitel, nur einen Vers vor dem heutigen Evangelium, ist von einem gegenteiligen Verhalten der Schafe die Rede, wenn Jesus zu den Juden sagt, die ihn nicht als Messias anerkennen: „Ihr aber glaubt nicht, weil ihr nicht zu meinen Schafen gehört“ (Joh 10,26). Weil sie ihm nicht vertrauen, deshalb hören sie nicht auf ihn und nehmen ihn nicht an.

In der ersten Lesung aus der Apostelgeschichte haben wir gehört, dass viele Menschen zu den Aposteln gekommen sind, dass sich fast die ganze Stadt bei ihnen versammelt und auf das Wort Gottes gehört hat. Sie haben in den Worten der Apostel die Stimme des Guten Hirten erkannt.

Jesus hat ja zu den Aposteln gesagt: „Wer euch hört, der hört mich. Wer euch ablehnt, der lehnt mich ab … und den, der mich gesandt hat“ (Lk 10, 16). Der Gute Hirte spricht auch heute zu uns, durch den Nachfolger des Petrus, den Papst, durch die Bischöfe, die Nachfolger der Apostel und auch durch die Priester, die Mitarbeiter der Bischöfe. Durch sie will er seine Herde weiden. Dreimal erhält Petrus vom auferstandenen Herrn den Auftrag: „Weide meine Schafe“.

Jeder Hirte der Kirche hat auch menschliche Schwächen und Eigenheiten an denen man sich stoßen kann. Deshalb dürfen wir nicht das Vertrauen verlieren, dass sie im Dienst des Guten Hirten stehen, der durch sie spricht und wirkt. Der heiliggesprochene Papst Johannes XXIII. hat von einem Priester in seiner Diözese gehört, der Schwierigkeiten mit dem Alkohol hatte und der nicht mehr so recht an das Wirken Gottes durch seinen Dienst geglaubt hat. Der Papst hat im Pfarrhof bei ihm angeklopft, ihn dort nicht angetroffen und nur den Hinweis bekommen in welchem Gasthaus er sei. Er hat sich zu diesem Gasthaus aufgemacht und den Priester mitteilen lassen er möge herauskommen der Heilige Vater erwarte ihn. Der Priester ist herausgekommen und der Papst hat ihn gebeten bei ihm beichten zu dürfen. Der Priester hat aufs Neue seine Würde erkannt.

Die Schafe, die dem Herrn gehören, machen sich also dadurch erkennbar, dass sie auf den Papst, auf ihren Bischof, auf ihren Pfarrer hören. Auch wenn ihr Hirte ihnen nicht immer nach dem Mund reden kann, hören sie auf ihn, weil sie vertrauen, dass er es gut mit ihnen meint und seine Kraft für sie einsetzt.

Liebe Brüder und Schwestern!

Wir feiern heute den Weltgebetstag um geistliche Berufe.

Hören wir nicht auf um Priester und Ordensleute zu beten, wie es uns Jesus die Hirten der Kirche,

dass es ihnen gelingt ihr Amt so auszuüben, dass ihre Schafe in ihnen die Stimme des Guten Hirten erkennen,

ihnen vertrauen und sie mit ihren Gaben und Fähigkeiten unterstützen. Amen.

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