Kirche/Liturgie

Predigt zum 7. Sonntag der Osterzeit (Pfr. Rupert Toferer, Kössen/Schwendt), angeregt durch P. Hans Buob, Biblische Predigten zu den Sonntagsevangelien, Lj. C S. 142-150)

Wir haben heute im Evangelium ein Gebet Jesu an seinen Vater im Himmel gehört.

Es ist das Abschiedsgebet des Herrn, denn er spricht es unmittelbar vor seinem Leiden und Sterben. Jesus kennt zutiefst wie sehr die Gemeinschaft seiner Jünger und aller, die an ihn glauben, bedroht ist. Und er bittet den Vater um Einheit und Liebe unter allen, die durch ihn erlöst, die seine Schäflein sind.

Diese Einheit unter den Christen ist nicht eine organisierte Einheit, sondern sie hat ihren Ursprung in der Heiligsten Dreifaltigkeit. Vater, Sohn und Heiliger Geist sind in sich die vollkommene Einheit und das Vorbild jeglicher Gemeinschaft. Im Blick auf die Einheit mit seinem Vater betet Jesus: „Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, so sollen auch sie in uns sein“. Diese Einheit zwischen dem Vater und dem Sohn besteht einerseits darin, dass sie beide ohne Unterschied gleich Gott sind, gleiche Herrlichkeit, gleich allmächtig. Die Einheit zwischen Vater und Sohn dürfen wir aber auch in ihren Beziehungen zueinander, das heißt in ihrem Person Sein erkennen, in denen sie unterschiedlich sind.

Kennzeichen dieser Einheit von Vater und Sohn ist Freiheit und die Aufrechterhaltung der Unterschiede. Einheit kann nur dort sein, wo es Freiheit und die Anerkennung der Unterschiede gibt. Der Sohn will nicht der Vater sein und der Vater nicht der Sohn oder der Geist. Jeder nimmt seine Aufgabe in voller Freiheit an, ohne Konkurrenz, ohne Neid und Eifersucht.

An einer anderen Stelle sagt Jesus: „Ich und der Vater sind eins“ (Joh 10,30). Sie sind Eins in ihrer Unterschiedlichkeit. Obwohl sie dem Wesen nach beide gleich Gott sind, bleibt doch der Sohn der Empfangende, der Bittende, der Gehorchende und der Vater der Gebende, der Gebietende und der Sendende. Trotzdem sind sie eins, weil jeder den anderen und auch sich selbst in vollkommener Freiheit anerkennt. In der Unterschiedlichkeit von Vater und Sohn lebt die Liebe von beiden.

Der Vater ist im Sohn, er schenkt sich dem Sohn, sein Herz schlägt für den Sohn. Der Sohn ist im Vater, er schenkt sich dem Vater zurück, ihm geht es nur darum den Willen des Vaters zu tun.

Diese vollkommene Einheit und gegenseitige Liebe von Vater und Sohn ist der Heilige Geist. Durch den Heiligen Geist haben wir Anteil an der Einheit von Vater und Sohn.

Jesus betont, dass die Einheit unter den Christen nur in Vereinigung mit ihm möglich ist: „Sie sollen eins sein, …, ich in ihnen und du in mir“. Denn die Einheit ist menschlich allein nicht machbar. Sie wird ja oft auf eine harte Probe gestellt. Es braucht manchmal viel Kraft um nicht auf den Tisch zu hauen und die Einheit zu bewahren. Schauen wir nur Stephanus an, der mit der Liebe zu seinen Glaubensbrüdern nicht aufgehört hat, obwohl sie ihm zu Feinden geworden sind. Sein Beispiel lässt die Welt erkennen, dass Gott seinen Sohn gesandt hat, der ihm die Kraft gegeben hat wie Jesus zu verzeihen und so die Einheit zu bewahren.

Der heilige Apostel Paulus vergleicht die Kirche mit einem Leib aus vielen Gliedern. Als Glieder sind wir unterschiedlich. Wir haben nicht alle die gleichen Fähigkeiten und Aufgaben. Aber gerade die Unterschiedlichkeit macht erst die Liebe wirksam. Die Gaben und Kräfte des einen kommen den anderen Gliedern zu Hilfe.

So wie sich in der Heiligsten Dreifaltigkeit Vater und Sohn in ihrer Unterschiedlichkeit ganz anerkennen, sollen auch wir uns annehmen mit unseren unterschiedlichen Gaben und Fähigkeiten und keinen Neid oder Eifersucht aufkommen lassen.

Liebe Brüder und Schwestern!

Bitten wir gerade jetzt in den Tagen vor Pfingsten um den Heiligen Geist, dass er uns hilft die Unterschiedlichkeit unter uns dankbar anzuerkennen. Bitten wir ihn auch, dass er uns hilft unsere Gaben und Fähigkeiten für ein gutes Miteinander im Leib Christi einzubringen und auch, dass er uns bewegt für die Einheit der Christen zu beten, was ja der sehnlichste Wunsch unseres Herrn Jesus ist. Amen.

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