Allgemein,  Kirche/Liturgie

Predigt zum 22. Sonntag im Jkr Lj C 2016 (Pfr. Rupert Toferer, Kössen; gedanklich angeregt von P. Hans Buob, Biblische Predigten zu den Sonntagsevangelien, Lj C, S 301-306).

Im Evangelium haben wir gehört, dass Jesus in das Haus eines Pharisäers zum Essen gekommen ist und dabei bemerkt hat,

dass sich die Gäste die Ehrenplätze ausgesucht haben. Es ist zu einem Gerangel um die vordersten Plätze gekommen. Jesus hat dieses Verhalten der Gäste zum Anlass genommen ihnen eine Lehre zu erteilen.

In seiner Lehre bringt er den Vergleich mit der Einladung zu einer Hochzeit. „Wenn du zu einer Hochzeit eingeladen bist, such dir nicht den Ehrenplatz aus“. Wenn Jesus hier das Bild von der Hochzeit verwendet, dann ist damit ein Hinweis auf unser Letztes Ziel gegeben. Denn im Evangelium wird das ewige Leben auch mit einem himmlischen Hochzeitsmal verglichen. Jesus selber ist der Gastgeber, der die Menschheit zur himmlischen Hochzeit einlädt. Mit seiner Lehre im Haus des Pharisäers geht es also um eine Grundhaltung in unserem christlichen Leben. Es geht darum bescheiden und demütig zu sein.

Sich die Ehrenplätze auszusuchen, sich selber die vorderen Plätze zuzuteilen und damit sich höher zu stellen als die anderen, entspricht nicht den Haltungen der Demut und der Bescheidenheit, die auch in der Lesung genannt sind: „Mein Freund, bei all deinem Tun bleibe bescheiden und du wirst mehr geliebt werden …“. „Je größer du bist, umso mehr bescheide dich, …“.

 

Jesus belehrt uns mit ähnlichen Worten: „Wenn du also eingeladen bist, dann setz dich lieber, wenn du hinkommst, auf den untersten Platz“. Die Haltung im Leben den untersten Platz einzunehmen betrifft sowohl die Beziehung zu den Nächsten als auch die Beziehung zu Gott.

Gegenüber den Mitmenschen bedeutet diese Haltung: Sich selbst zurücknehmen zu können; dem anderen den Vortritt zu lassen; auf den anderen Rücksicht zu nehmen; sich selbst für gering halten; oder wie es der heilige Apostel Paulus sagt: Den anderen höher einzuschätzen als sich selbst (Vgl. Phil 2,3).

Wie viele Gelegenheiten gibt es im täglichen Leben dem anderen den Vortritt zu lassen: Auf einer Wallfahrt schon beim Einsteigen in den Bus, bei der Auswahl der Sitzplätze; Im Straßenverkehr, wenn jemand den anderen einordnen lässt; beim Anstellen zu einer Kassa im Kaufhaus; in einem Warteraum. In Medjugorje braucht man diese Haltung beim Anstellen zu einem Beichtsuhl, so groß ist der Andrang zu diesem Sakrament.

Gegenüber Gott bedeutet die Haltung den untersten Platz einzunehmen: Sich nicht besser vorzukommen als die anderen; sich nicht selbst für gerecht halten; sich als Sünder anzuerkennen, der auf die Barmherzigkeit Gottes angewiesen ist. Es ist dies mit den Worten der Bergpredigt das Arm sein vor Gott, das alles von ihm erwartet und sich ganz von ihm beschenkt weiß.

Liebe Brüder und Schwestern!

„Wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden“. Jesus hat diesen Weg gelehrt und ist ihn auch selber gegangen. Er hat sich selbst zum Letzten gemacht und hat am Kreuz den letzten Platz eingenommen. „Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen gegeben, der größer ist als alle Namen“ (Phil 2,9). Möge er uns stärken ihm auf diesem Weg der Demut und der Niedrigkeit nachzufolgen, um auch einmal vom Vater erhöht zu werden und am himmlischen Hochzeitsmahl teilnehmen zu dürfen. Amen.

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