Kirche/Liturgie

Predigt zum 29. Sonntag im Lj C, Kirchweihsonntag (Pfr. RupertToferer, Kössen/Schwendt)

Wir feiern das Weihefest dieses Gotteshauses. Eine Kirche erbauen und weihen heißt Gott einen Raum geben an dem er gegenwärtig sein darf.

Unsere Vorfahren waren tief überzeugt, dass es wichtig ist Gott einen Platz in ihrer Mitte zu geben, damit sie unter seinem Schutz und Segen leben können.

Bei der Kirchweihe wird immer auch der Altar geweiht und die erste heilige Messe gefeiert. So denken wir auch an jenen Augenblick an dem Gott zum ersten Mal in der neuen Kirche durch die Worte des Priesters Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi verwandelt hat und die Gläubigen Jesus in der Kommunion empfangen haben. Gott selber ist eingezogen ins Gotteshaus und das ewige Licht ist entzündet worden als ein sichtbares Zeichen dafür, dass Er lebendig gegenwärtig ist im Tabernakel. Voll Freude haben die Menschen nach dem großen Einsatz des Kirchenbaues den Weihetag gefeiert, jenen Tag an dem Gott dieses Haus zu eigen genommen und darin eingezogen ist. Und auch wir wollen uns jährlich dieser Freude anschließen.

Leider geschieht es, dass Kirchen heutzutage nicht mehr als Gotteshaus gehalten werden können und zu einem anderen Zweck verwendet werden müssen. Jesus ist einmal in Jerusalem energisch dafür eingetreten, dass der Tempel nicht zu einer Markthalle wird und er hat dabei die Worte gesprochen: „Mein Haus soll ein Haus des Gebetes sein“ (Mt 21,13).

Der Sinn einer Kirche ist es also, dass es ein Haus des Gebetes ist, ein Haus in dem Menschen Gott ehren ihn loben und ihm danken und auch mit ihren Bitten und Anliegen zu ihm kommen. Die Lesung und das Evangelium vom heutigen Sonntag sprechen von der Kraft des Gebetes. Das Volk Israel ist auf seiner 40 Jährigen Wanderung durch die Wüste von fremden Völkern bedroht worden. In der Lesung haben wir gehört, dass Mose Josua den Auftrag erteilt hat gegen das fremde Volk in den Kampf zu ziehen, während er mit zwei Begleitern auf einen Hügel geht und dort mit den Gottesstab seine Hände erheben wird.

Solange er seine Hände erhebt, ist Israel im Kampf stärker. Wenn er seine Hände sinken lässt ist der Feind stärker. Das ist ein schönes Bild für die Kraft des Gebetes. Solange es noch Gläubige gibt, die mit Vertrauen ihre Hände zum Gebet erheben wird der Böse nicht alle Macht in der Welt haben.

Das Evangelium spricht von der Ausdauer im Beten. Jesus belehrt seine Jünger mit dem Gleichnis von der Witwe und dem Richter, dass sie allezeit beten und darin nicht nachlassen sollen. Die Witwen sind zurzeit Jesu wehrlose und schutzlose Personen gewesen. Und der Richter, der als ungläubig und ungerecht beschrieben wird, hat sich nicht schwer getan ihr gegenüber seine Pflicht zu vernachlässigen. Die Witwe ist immer wieder zu ihm hingegangen und hat ihm keine Ruhe gelassen.

Dieses Gleichnis lehrt uns, dass wir mit dem Gebet nicht aufhören sollen, wenn nicht so schnell eine Erhörung kommt. Das heißt nicht, dass Gott taub ist und unser Gebet nicht hört. Indem er uns warten lässt, will er erreichen, dass in uns der Glaube wächst, der ja Voraussetzung ist, damit er uns erhören kann. „Dein Glaube hat Dir geholfen“. Unser Bitten ist oft sehr oberflächlich und gleicht manchmal dem Umgang mit einem Automaten, bei dem wir etwas hineinwerfen und gleich das Gewünschte herauskommt. Gott lässt uns warten, damit unsere Bitten noch tiefer vom Herzen kommen und erreicht so, dass die Beziehung und der Glaube zu ihm wachsen. Es können Zweifel im Herzen aufkommen. Aber solange jemand betet, setzt er Schritte des Vertrauens zu Gott.

Liebe Brüder und Schwestern!

Wir feiern das Kirchweihefest und danken Gott, dass er da ist und wir zu ihm kommen dürfen. Das Gotteshaus steht immer offen und besonders die Glocken sind es, die uns einladen zu ihm zu kommen. Durch unsere Ausdauer im Gebet zeigt sich unser Glaube, der es Gott ermöglicht unsere Bitten zu erhören und uns einmal auch zu jenem Recht zu verhelfen, das er den Seinen, die oft in der Welt Unrecht erleiden müssen, bei seiner Wiederkunft am jüngsten Tage schenken wird, dass er sie in seine Herrlichkeit mitnimmt. Amen.

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