Kirche/Liturgie

Predigt zum 4. Sonntag im Jkr, Lj A (Rupert Toferer, Kössen/Schwendt; inhaltl. angeregt von P. Hans Buob, Bibl. Predigten zu den Sonntagsevangelien, Lj. A, S. 205-213)

Wir haben im Evangelium gehört, dass viele Menschen Jesus folgen

und ihn hören wollen. Der Mensch ist ein Suchender. In ihm ist eine Sehnsucht nach Wahrheit ins Herz gelegt. In Jesus haben die Menschen den gefunden, der diese Sehnsucht nach dem Wort Gottes stillen kann. Möge auch uns immer ein Verlangen nach seinem Wort  geschenkt sein und wir auch gerne dorthin gehen, wo wir ihn hören können. Sein Wort ist Licht und Nahrung für unser christliches Leben.

Wir haben heute das Kernstück der Verkündigung Jesu gehört. Die Seligpreisungen sind die Magna Charta des Evangeliums.

 

In der Nähe von Kafarnaum befindet sich auf einem Hügel, von dem aus man den See Genezareth überblicken kann, eine achteckige Kapelle. Der Altar in der Mitte ist umgeben von acht gleichseitigen Wänden in denen die einzelnen Seligpreisungen kunstvoll eingeschrieben sind. Die Seligpreisungen sind Glückwünsche an Menschen. Aber wie ist es möglich Menschen zu beglückwünschen, die arm sind, die trauern, die verfolgt werden, die keine Gewalt anwenden, die barmherzig sind und sich um den Frieden bemühen, selber aber oft Undank und Gleichgültigkeit erleben müssen.

 

Die erste Seligpreisung steht als Überschrift über die anderen: „Selig, die arm sind vor Gott, denn ihnen gehört das Himmelreich“.

Wenn Jesus die Armen seligpreist, dann deshalb, weil sie ganz auf Gott angewiesen und von ihm abhängig sind und daher auch empfänglich für die Zuwendung Gottes sind. Ihr Herz ist nicht an materielle Dinge gebunden, es ist frei für Gott. Gott kann den Menschen noch mehr mit seiner Seligkeit beschenken, wenn sein Herz nicht mit irdischen Dingen belastet ist.

 

Arm sein vor Gott heißt wörtlich übersetzt: „Arm sein im Geist“. Der Mensch kann nicht nur an materiellen Dingen arm sein, sondern auch an geistigen Dingen, wenn er zum Beispiel Anerkennung, seinen guten Ruf oder Namen verliert oder wenn es Misserfolge gibt.

Auch die Armut in geistigen Dingen öffnet ihn für Gott. Je mehr er frei geworden ist vom Druck auf Erfolg, Ansehen, Anerkennung, u. a. umso mehr ist er für die Seligkeit empfänglich, die Gott schenkt.

 

Es gibt auch noch die geistliche Armut, die ein Arm sein in der Beziehung zu Gott ist. Sie besteht zum Beispiel darin, dass das Gebet arm ist und nicht so ist wie ich es will, oder nicht das erreicht, was ich will, oder dass es eine sündhafte Anlage gibt von der ich nicht loskomme, oder ein Mangel an Talenten. Auch diese geistliche Armut macht mich frei von mir selber und lässt mich erkennen, dass ich ganz auf die Zuwendung der Liebe Gottes angewiesen bin.

 

Die erste Seligpreisung, das arm sein vor Gott, in materiellen, geistigen und geistlichen Dingen ist auch die Haltung, die es ermöglicht die anderen Seligpreisungen zu leben. Wenn ich arm geworden bin, also frei bin von mir selber und an nichts mehr gebunden bin, dann kann ich sanftmütig sein und werde keine Gewalt anwenden; dann kann ich barmherzig sein, mein Herz einem notleidenden Menschen schenken; dann kann ich Frieden stiften und auf Vergeltung verzichten; dann kann ich wegen meiner Überzeugung im Glauben Widerwärtigkeiten und Verfolgung ertragen.

 

Dieses Arm Sein vor Gott ist auch die Haltung der Demut. Das ist die Haltung des kleinen Kindes, das alles von seinen Eltern erwartet und ihnen vertraut. Demut ist auch Mut zum Dienen. Wenn ich frei bin von mir selber, dann bin ich fähig zu dienen, mich zum Geschenk für andere zu machen. Wenn ein Mensch nicht bereit ist einen Dienst zu übernehmen, dann kann es darin liegen, dass er noch nicht frei ist von egoistischen Interessen und Zielen.

 

Liebe Brüder und Schwestern!

Der Heilige Geist möchte uns immer mehr in diese Haltung der Seligpreisung einführen, in dieses arm sein vor Gott. Bitten wir den Heiligen Geist, dass er nicht aufhört uns frei zu machen von uns selber, denn dann sind wir empfänglich für die große Glückseligkeit, die Gott schenkt. Amen.

Eine Antwort schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.