Predigt zum Dreifaltigkeitssonntag, Lj. A 2017 (Pfr. Rupert Toferer, Kössen Schwendt.)

In diesem kurzen Evangelium haben wir eine Kernaussage der Bibel gehört: „Gott hat die Welt sosehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat“.

Ein Mann hat einmal in einem Schaufenster ein Buch liegen sehen mit dem Titel: Die Bibel in allen Sprachen. Er hat sich gedacht, das kann es nicht geben, denn dann müsste dieses Buch ja mehrere Meter dick sein. Er ist in den Buchladen gegangen und hat sich das Buch geben lassen und es aufgeschlagen. Zu seinem Erstaunen war in diesem Buch war nur der eine Vers Joh 3,16, den wir eben gehört haben, abgedruckt und der in allen Sprachen.

In diesem einen Vers ist tatsächlich die Botschaft der Bibel zusammen gefasst. Dieser Vers bringt nämlich zum Ausdruck, dass Gott die Liebe ist.

Zuerst ist ausgesagt wen Gott liebt: Sosehr hat Gott die Welt geliebt. Die Welt ist von Gott geliebt. Das griechische Wort für Welt heißt: Kosmos. Alles, was Gott geschaffen hat, ist von Gott geliebt. Daran erinnert uns auch das Buch der Weisheit, indem es heißt: „Du liebst alles, was ist, und verabscheust nichts von allem, was du gemacht hast; denn hättest du etwas gehasst, so hättest du es nicht geschaffen“ (Weish 11,24).

Im Johannesevangelium ist mit Welt aber vor allem jene Welt gemeint, die sich von Gott abgewendet hat, die sich nicht um Gott kümmert, die sich gegen ihn stellt. Die Auflehnung gegen Gott steckt im Menschen drinnen seit Adam und Eva, die vom Teufel verführt, gegen Gott gehandelt haben. Aber auch wenn der Mensch das Band der Liebe zu Gott durchtrennt hat, Gott kann nicht aufhören zu lieben. Er will das Heil aller.

Dieser zentrale Vers besagt auch wie Gott die Welt geliebt hat. Er hat die Welt auf diese Weise geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab. Mit diesem Wort wendet Jesus unseren Blick auf das Kreuz. Wenn wir auf das Kreuz schauen, sehen wir diese unendliche Liebe Gottes, der seinen einzigen Sohn hingibt, um die Welt zu retten. Gott gibt nicht nur etwas. Er gibt das Kostbarste, seinen einzigen Sohn.

Wir sind eingeladen, gerne vor einem Kreuz zu verweilen und hinaufzuschauen und uns für diese rettende Liebe Gottes zu öffnen.

 

Das Kreuz offenbart auch das Geheimnis der Dreifaltigkeit. Wenn Gott Liebe ist, kann er nicht ein einsamer Gott sein und nur für sich allein existieren. Wenn er die Liebe ist, dann muss es in ihm Gemeinschaft geben, dann muss es in ihm Beziehungen geben: Der Vater ist es, der seine Liebe vollkommen an den Sohn schenkt. Der Sohn ist es der die Liebe vom Vater empfängt und der sie wieder ganz dem Vater zurückschenkt. Diese gegenseitige Liebe von Vater und Sohn ist die Dritte göttliche Person, der Heilige Geist. Gott ist in sich also das absolute Gegenteil von Egoismus, reines und immerwährendes Geben und Empfangen, Empfangen und Geben.

Durch den Heiligen Geist ist die Liebe des Dreifaltigen Gottes auch in unsere Herzen ausgegossen.  Schon durch die Taufe sind wir mit dieser göttlichen Tugend der Liebe beschenkt worden. Gott hat den Menschen nach seinem Abbild erschaffen. Das heißt, wir sind alle berufen durch unser Leben die Liebe des Dreifaltigen Gottes sichtbar zu machen. Das „Ich“ soll immer weniger und das „Du“ soll immer mehr werden.

Gott hat den Menschen als Mann und Frau erschaffen und erst in ihrer Beziehung zueinander ist der Mensch Abbild des Dreifaltigen Gottes. Die gegenseitige Beziehung lässt Mann und Frau eins werden. In dieser gegenseitigen Liebe, die im Kind Gestalt annimmt, machen sie den dreifaltigen Gott sichtbar, der in sich Gemeinschaft und Liebe ist.

Wir begehen auch den Vatertag. Und es tut gut sich etwas darauf zu besinnen, dass jede menschliche Vaterschaft ihren Ursprung in der göttlichen Vaterschat hat.

Bitten wir für unsere Väter, dass sie etwas von der Liebe des göttlichen Vaters sichtbar und spürbar machen. Das tun sie, wenn sie tag-täglich für ihre Kinder zur Arbeit gehen, wenn sie sich zu Hause abgeben mit ihren Kindern im gemeinsamen Werken, Spiel und Sport und besonders auch, wenn sie mit den Kindern beten und ihnen so helfen die Beziehung zum himmlischen Vater zu leben. Amen.

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