Kirche/Liturgie

Predigt zum 11. Sonntag im Jkr. Lj A (Rupert Toferer, Kössen/Schwendt; inhaltl. angeregt von P. Hans Buob, Bibl. Predigten zu den Sonntagsevangelien, Lj. A, S. 248-253)

Wir stehen im Herz-Jesu Monat Juni und feiern am kommenden Freitag das Herz-Jesu Fest. Im Herzen Jesu verehren wir die Liebe Gottes zu uns. Oft wird das Herz Jesu mit einer Flamme dargestellt um damit anzudeuten, dass sein Herz aus Liebe zu uns brennt.

Etwas von der Liebe des Herzens Jesu haben wir auch im heutigen Evangelium gehört. Jesus sieht die vielen Menschen, die müde und erschöpft sind und hat Mitleid mit ihnen. Er vergleicht sie mit Schafen, die keinen Hirten haben. Die Übersetzung bringt hier nur sehr schwach zum Ausdruck, was die ursprüngliche Text bedeutet. Wörtlich müsste man diese Stelle so wiedergeben:

Es sind Schafe, die ohne Hirten den Weg verloren haben, im Gestrüpp umherirren, deren Haut aufgerissen ist durch die Dornen und die schroffen Felsen, die ausgestreckt wie Leichen auf dem Boden liegen.

 

In dieser drastischen aber wörtlichen Übersetzung kommt noch mehr zum Ausdruck wie sehr die Menschen verletzt werden, wenn sie keinen Hirten haben. Sie sind verletzt, weil ihnen niemand den Weg zeigt, weil ihnen niemand die Wahrheit verkündet, weil ihnen niemand sagt, was der Sinn des Lebens ist. Sie laufen nach, was irgendwie Sinn und Glück verspricht, was sie aber tief im Inneren verletzt.

Gerade auch in unserer Zeit braucht der Mensch Orientierung, um den richtigen Weg gehen zu können. Und diese Orientierung gibt uns Jesus. Er ist der Gute Hirte, der von sich aus sagt: „Ich bin der Weg und die Wahrheit“. Oder in der Bergpredigt: „Wer diese meine Worte hört und danach handelt, der ist wie ein kluger Mann, der sein Haus auf Felsen baut“.

 

Nicht selten hört man von Menschen im späteren Leben sagen: Hätte ich das früher schon so erkannt, hätte ich anders gehandelt und es wäre mir viel Leid erspart geblieben.

Aber Gott sei Dank ist Jesus immer auch der Gute Hirte, der von Wunden heilt, die wir uns durch Verirrungen im Leben zugefügt haben.

 

Jesus sieht also die Not der Menschen, die ohne Hirten verlorene Schafe sind, und er spricht voll Mitleid die Worte aus: „Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden“.

Dass es genügend Arbeiter im Weinberg Gottes gibt ist also nicht die private Angelegenheit eines Einzelnen, der sich berufen fühlt, sondern geht das ganze Volk Gottes an. Die Berufungen zu einem geistlichen Stand sind immer ein Geschenk an das ganze Volk Gottes und müssen daher vom ganzen Gottesvolk erbeten werden. Und jene, die berufen sind, können nicht sagen, sie haben sich selbst auserwählt, sondern müssen immer sagen: Gott hat sie erwählt, weil andere gebetet haben. Kardinal Schönborn hat bei Einkehrtagen an uns Seminaristen die Worte gesprochen: „Wir werden erst im Himmel erfahren, wer uns diese Gnade der Berufung erbetet hat“.

Liebe Gläubige!

Möge der Blick auf das Heiligste Herz Jesu, das mitempfindet mit der Not der Menschen, die keinen Hirten haben, auch uns bewegen um Arbeiter zu beten, die Jesus mit seiner Vollmacht ausstattet und sie sendet das Wort Gottes zu verkünden, die Gefangenen zu befreien und die Verletzten zu heilen. Amen.

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