Predigt zum 22. Sonntag im Jahreskreis, Lj. A

(Pfr. Rupert Toferer, Kössen/Schwendt; gedanklich angeregt von P. Hans Buob, Biblische Predigten zu den Sonntagsevangelien Lesejahr A, S. 325-333)

Am letzten Sonntag haben wir gehört, dass Jesus den Aposteln die Frage gestellt hat, für wen sie ihn halten, und dass Petrus mit den Bekenntnis geantwortet hat: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes“. Von diesem Augenblick an, da nun die Apostel die Gewissheit haben, dass er der Messias ist, teilt ihnen Jesus offen mit, dass zu seinem Auftrag auch der Weg des Leidens, des Sterbens und der Auferstehung gehört. Mit dieser Ankündigung des Leidens haben sich Petrus und die Apostel schwer getan, denn sie haben die Vorstellung von einem politischen Messias gehabt, der das Volk Israel von den Römern befreit und durch den Gott sein Volk regiert. Sie müssen erst begreifen, dass Jesus nicht gekommen ist von einer äußeren, irdischen Macht zu befreien, sondern von einer Macht die im Inneren des Menschen wirkt und die der Grund für alles Übel in der Welt ist. Jesus bekräftigt den Aposteln, dass er den Weg nach Jerusalem gehen muss. Wörtlich heißt es: Es ist nötig, dass er nach Jerusalem geht, wo ihn Leiden, Tod und Auferstehung erwarten. Um uns von der Macht des Bösen zu erlösen und für uns das Heil zu erwerben, ist es notwendig, dass er diesen Weg geht.

 

Ein Jünger Jesu kann also nur jemand sein, der anerkennt, dass Jesus den Weg des Leidens gehen muss und der bereit ist, ihm auf dem Weg des Kreuzes nachzufolgen: „Wer mein Jünger sein will, verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach“. Jesus hat den Aposteln vorausgesagt, dass mit ihrer Aufgabe unzertrennlich das Kreuz verbunden ist: heimatlos zu sein, missverstanden zu werden und so einsam und verlassen zu sein, von Gegnern sogar Verfolgung und Leiden zu ertragen. Die Apostel sind Jesus auf dem Weg des Kreuzes nachgefolgt. Jesus hat ihnen aber auch gesagt, dass das Ziel des Kreuzes nicht der Tod, sondern das Leben ist. „Wer sein Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen“. Die Apostel haben um Jesu willen das Leben verloren. Aber Er hat ihnen nicht nur an seinem Kreuz Anteil gegeben, sondern auch an seiner Auferstehung und Herrlichkeit.

Was kann es für uns bedeuten, um Jesu willen das Leben zu verlieren, damit wir es gewinnen? Es wird wohl nicht bedeuten, dass wir alle einen gewaltsamen Tod erleiden müssen. Das Leben um seinetwillen verlieren kann auch bedeuten auf Wichtiges im Leben zu verzichten:

 

Es kann sein, dass jemand in einer bestimmten Situation nicht schweigen kann, sondern sich verpflichtet weiß reden zu müssen, obwohl er sich bewusst ist, dass er dadurch auf seinen guten Ruf verzichten muss.

Oder wenn jemand sich für einen Dienst an der Gemeinschaft entscheidet und das für ihn bedeutet weniger Freizeit zu haben.

Oder wenn jemand nach einem langen Streit auf sein Recht verzichtet, um den Frieden wieder zu erlangen.

Oder wenn eine Mama oder ein Papa in der Nacht aufsteht, weil ein Kind etwas braucht, obwohl sie selbst den Schlaf nötig hätten.

 

Liebe Brüder und Schwestern!

Jeder von uns hat schon die Erfahrung gemacht, dass er nicht an Leben verliert, wenn er auf etwas verzichtet, was ihm wichtig ist, sondern dass er im Inneren an Leben gewinnt. Selbst wenn jemand sich alle Vergnügen der Welt leisten könnte, oder sich die materiellen Dinge immer mehr anhäufen, dann könnte das den Durst nach Leben nicht stillen. Jesus sagt: „Ich bin das Leben“ (Joh 14,6). oder „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben“ (Joh 10,10). Dort, wo es uns gelingt dem eigenen Willen zu sterben, sich selbst zu verleugnen, und nach dem Willen Gottes zu handeln, dort gewinnen wir das Leben. Wir werden beschenkt mit Friede, Freude, mit Heiligem Geist. Um diese Wahrheit zu erkennen und die Kraft zu haben danach zu handeln, braucht es das beständige Gebet, die lebendige Verbindung mit dem Herrn. Eine besondere Hilfe dazu möge uns die Fürsprache der Gottesmutter sein, die ein Leben lang ihre Entscheidung durchgehalten hat: „Mir geschehe nach deinem Wort“. Amen.

 

 

 

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