Predigt zum 23. Sonntag im Jahreskreis Lj A

(Pfr. Rupert Toferer, Kössen/Schwendt; inhaltlich angeregt von P. Hans Buob, Biblische Predigten zu den Sonntagsevangelien Lesejahr A, S. 334-339)

Das heutige Evangelium sagt uns, dass wir füreinander verantwortlich sind, besonders auch dann, wenn ein Mensch gefehlt hat. Es kann mir nicht gleichgültig sein, wenn sich jemand durch sein sündiges Verhalten von Gott und der Kirche entfernt. Die oft gehörte Aussage: „Das geht mich nichts an“, entspricht nicht dem Evangelium.

Jesus sagt: „Wenn dein Bruder sündigt, dann geh zu ihm und weise ihn unter vier Augen zurecht“. Mit dem Bruder ist jeder Mitchrist gemeint. Die Verantwortung gegenüber jenem Mitchristen, der sich gegen Gott und die Kirche verfehlt hat, zeigt sich in der Bereitschaft zu ihm hinzugehen und mit ihm unter vier Augen zu sprechen. Oft geschieht es aber, dass wir über die Fehler der Brüder und Schwestern sprechen und über sie schimpfen und nicht den Mut haben zu ihnen hinzugehen.

Einen Menschen auf sein falsches Verhalten hinzuweisen bedarf der Weisheit, die es ermöglicht Worte zu sprechen, die den Bruder nicht verletzen. Die Wahrheit soll in Liebe ausgesprochen werden, damit sie angenommen werden kann. Deshalb ist vor einem solchen Gespräch auch das Gebet wichtig.

Trotzdem kann es sein dass der Bruder sein falsches Tun nicht einsehen und sich nicht ändern will. Es kann sein, dass er trotz Zeugenaussagen sein sündiges Verhalten nicht eingestehen will. Dann soll es der Gemeinde, der Kirche, mitgeteilt werden. Die Kirche hat mit ihren geweihten Amtsträgern, den Nachfolgern der Apostel, die Vollmacht zu binden und zu lösen, wie es Jesus im Evangelium sagt. Lösen und Binden besagt im disziplinären Bereich einen Bann auszusprechen oder ihn zu lösen.

Jesus sagt, wenn der sündige Bruder auch auf die Kirche nicht hört, dann sei er für dich wie ein Heide oder ein Zöllner. Das heißt, dass er dann nicht mehr Mitglied der Kirche ist, sondern von ihr ausgeschlossen ist.

Wenn die Kirche diese Binde und Lösegewalt ausübt, indem sie eine Exkommunikation ausspricht, dann darf das nicht als Strafe für den sündigen Bruder gesehen werden, sondern als ein Mittel, um ihm zu helfen sich seiner Verfehlung bewusst zu werden und ihn so wieder für die Gemeinschaft mit Gott und der Kirche zurückzugewinnen.

Das Evangelium nennt noch ein anderes Mittel, um den sündigen Bruder oder Schwester zu helfen, das gemeinsame Gebet: „Was zwei von euch auf Erden gemeinsam erbitten, werden sie von meinem himmlischen Vater erhalten“. Mit diesem kostbarem Wort gibt Jesus folgendes Versprechen: Wenn zwei Jünger, die miteinander versöhnt und im Frieden sind in einem gemeinsamen Anliegen zum Vater beten, dann werden sie erhört. Das ist ein Versprechen, das Jesus gegeben hat. Wenn zum Beispiel Eltern, die miteinander versöhnt und eins sind, in einem gemeinsamen Anliegen für ihr Kind beten, das auf einen falschen Weg geraten ist, dann dürfen sie vertrauen, dass ihr Gebet erhört wird. Das „wann“ wissen sie nicht. Es kann sein, dass dieses gemeinsame Gebet erst in Erfüllung geht, wenn die Eltern bereits von dieser Welt geschieden sind. Sie dürfen aber zu Lebzeiten gewiss sein, dass Jesus sein Versprechen hält und ihr beharrliches Gebet erhört. So dürfen sie jetzt schon mit dem inneren Wissen und der inneren Freude dem Kind begegnen, dass es zu Gott zurückfinden wird.

Liebe Brüder und Schwestern!

Diese, für die christliche Gemeinde unverzichtbare Aufgabe der brüderlichen Zurechtweisung, darf nicht mit der Gesinnung der Rechthaberei oder der Verurteilung des anderen geschehen. Es geht um die Haltung des Guten Hirten, der dem Schäflein nachgeht, das sich verirrt hat. Die Sünder zurechtweisen ist auch eines der sieben geistigen Werke der Barmherzigkeit, also eine Tat der Nächstenliebe. Dem Schäflein nachzugehen kann manchmal nur in geistlicher Weise geschehen durch das gemeinsame Gebet. Möge Jesus, der Gute Hirte, uns in dieser Haltung der Liebe stärken. Amen.

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