Predigt zum 24. Sonntag im Jahreskreis, Lj A

(Pfr. Rupert Toferer, Kössen/Schwendt; inhaltlich angeregt von P. Hans Buob, Biblische Predigten zu den Sonntagsevangelien Lesejahr A, S. 340-346)

Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben,

wenn er sich gegen mich versündigt?“ fragt Petrus den Herrn Jesus im heutigen Evangelium und Petrus gibt selber die Antwort: „siebenmal“. Das ist für ihn die oberste Grenze, öfter kann er es sich nicht vorstellen. Jesus sagt „siebenundsiebzigmal“. Sieben ist die Zahl der Vollendung. „Siebenmalsiebzigmal“, wie es wörtlich heißt, bedeutet daher immer. Immer soll ich vergeben, wenn mir jemand Unrecht getan hat, wenn mich jemand gekränkt hat, wenn mir jemand wehgetan hat, körperlich oder seelisch.

Wie begründet Jesus diese Forderung? Er begründet sie mit dem Hinweis auf Gott, der bereit ist immer dem Menschen zu vergeben, wenn er ihn um Verzeihung bittet. Um die Barmherzigkeit Gottes aufzuzeigen, erzählt Jesus das Gleichnis vom König, der von seinen Dienern Rechenschaft verlangt. Der König lässt dem Diener seine ganze Schuld nach, weil er ihn so sehr um Erbarmen bittet. Es wird eine ungewöhnlich hohe Summe genannt, die der König dem Diener schenkt: 10.000 Talente. Das sind umgerechnet für heute ca. 25 Millionen Euro. Damit ist ausgesagt, dass der Diener die Schuld zu seinen Lebzeiten gar nicht mehr begleichen kann. Er ist auf das Erbarmen Gottes angewiesen, um weiterhin als freier Mensch leben zu können. Mit dem Gleichnis ist auch ausgesagt, dass Gottes Erbarmen ohne Grenze ist. Unsere Schuld kann nicht so groß sein, dass Gott sie nicht mehr vergeben könnte.

Das Gleichnis erinnert uns auch daran, dass wir Gott gegenüber schuldige Menschen sind. Der Diener anerkennt seine Schuld, schiebt sie nicht weg. Er erkennt den König auch als Herrn und bittet ihn demütig um Erbarmen. Uns fällt es oft schwer anzuerkennen, dass wir vor Gott schuldig sind. Wir denken, dass wir nur dann schuldig sind, wenn wir ein Verbrechen begangen haben.

Aber es gibt viele kleine Unterlassungen und Vergehen im Alltag, durch die wir schuldig werden: Wie oft haben wir die Gelegenheit Gott zu loben und ihm zu danken und tun es nicht, am Abend für einen schönen Tag, für das gute Essen, …? Wie oft haben die Gelegenheit einem Mitmenschen Gutes zu tun und wir tun es aus Bequemlichkeit nicht? Wie oft urteilen wir in Gedanken oder mit Worten über andere oder denken oder sprechen schlecht über sie?

Interessant ist, dass die Heiligen sich vor Gott als Sünder erkannt haben, von denen wir es am allerwenigsten erwarten. Sie sind dem Licht Gottes näher gekommen und so sind ihnen die Schatten ihres Lebens noch mehr bewusst geworden. Sie haben erkannt, dass wir vor Gott immer in Schuld stehen und zwar in so großer, dass wir sie nicht selber zurückzahlen können und so immer auf das Erbarmen Gottes angewiesen sind. Diese Wahrheit, dass wir ständig aus der Vergebung Gottes leben, ist die Begründung, warum auch wir immer den Mitmenschen vergeben sollen. „Seid barmherzig, wie es auch euer Vater ist!“ (Lk 6,36) Was kann uns helfen sich der Barmherzigkeit Gottes mehr bewusst zu sein und so auch den Mitmenschen gegenüber vergebungsbereiter zu sein?

Wir haben am letzten Donnerstag das Fest Kreuzerhöhung gefeiert, das uns in besonderer Weise einlädt das Kreuz Christi zu betrachten, auf das Kreuz zu schauen. Am Kreuz wird sichtbar, dass wir unsere Schuld nicht selber bezahlen müssen. Jesus hat den höchsten Preis bezahlt, damit uns die Schuld vergeben wird. Im Blick auf das Kreuz erkennen wir, dass Gott mit uns Erbarmen hat, dass seine Barmherzigkeit ohne Grenzen ist. So kann uns besonders der Blick auf das Kreuz bewegen immer wieder mit unseren Mitmenschen barmherzig zu sein. Amen.

 

 

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