Predigt zum Kirchweihefest 2017 (Pfr. Rupert Toferer, Kössen/Schwendt)

Die Lesungen des heutigen Kirchweihefestes lassen uns erkennen, was Kirche ist oder wie wir Kirche in der Welt sichtbar machen können. Was ist Kirche? Ganz einfach können wir sagen: Kirche sind die Menschen, die sich von Gott in seine Gemeinschaft rufen lassen, die sich bei ihm versammeln, auf ihn hören und zu ihm beten.

In der ersten Lesung aus dem Alten Testament haben wir einen Teil des Gebetes gehört, das König Salomo bei der Einweihung des Tempels von Jerusalem gesprochen hat. Er stellt zuerst demütig fest, dass dieses Haus Gott nicht fassen kann, wenn schon der Himmel und die Himmel der Himmel ihn nicht fassen können. Aber er bekennt dann, dass dieses Haus jene Stätte ist, von der Gott gesagt hat, dass hier sein Name wohnen soll, dass Er selber hier gegenwärtig sein will. Zeichen der Gegenwart Gottes im Alten Bund war die Bundeslade mit den Tafeln des Bundes, den Gott mit Israel am Berg Sinai geschlossen hat.

Salomo bittet in diesem Gebet, dass Gott ihn und auch das Volk erhören soll, wenn sie an dieser heiligen Stätte zu ihm beten. Und so machen sie schon im Alten Bund Kirche sichtbar, wenn sie sich im Tempel versammeln und zu Gott beten.

Um wieviel mehr gilt das für die Kirchen des Neuen Bundes, in denen Gott nicht nur im Zeichen, sondern im Allerheiligsten Sakrament wirklich und wesenhaft gegenwärtig ist. In der Gestalt des Brotes ist Jesus Tag und Nacht in der Kirche gegenwärtig als wahrer Gott und Mensch und mit ihm der Dreifaltige Gott.

Jeder Gläubige macht Kirche sichtbar, wenn er ins Haus Gottes geht und in seiner Gegenwart verweilt. In besonderer Weise wird Kirche sichtbar, wenn sich das ganze Volk Gottes in der Kirche versammelt. In der Präfation der heutigen Messe heißt es, dass die versammelte Gemeinde ein Bild Seiner Gegenwart ist. Wenn die Kirche mit Gläubigen voll ist, dann ist das ein kräftiges Zeichen der Gegenwart Gottes unter uns.

In der zweiten Lesung erinnert uns der Apostel Paulus daran, dass Gott nicht nur im Haus aus Steinen, sondern auch in uns wohnt, dass wir selber Gottes Tempel sind: „Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?“ Durch die Ausgießung des Heiligen Geistes in die Herzen der Menschen möchte sich Gott ein Haus aus lebendigen Steinen bauen. Es genügt also nicht Kirche nur sichtbar zu machen, indem wir uns im Haus Gottes versammeln, sondern wir müssen Kirche auch durch unser Leben sichtbar machen. Wenn wir die Liebe leben, einander helfen und beistehen, wenn wir unsere Gaben und Fähigkeiten für die Gemeinschaft einbringen, machen wir sichtbar, dass Gott in uns und unter uns wohnt. Das Wort Gottes, das wir in der Kirche vernehmen, möchte in uns Gestalt annehmen.

Liebe Brüder und Schwestern!

Wir machen Kirche sichtbar wenn wir uns im Haus Gottes versammeln und zu ihm beten. Möge uns das Gebet an dieser heiligen Stätte verwandeln und zu einem lebendigen Tempel unter den Menschen machen. Amen.

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