Predigt zum 30. Sonntag im Jkr. Lj. A (Pfr. Rupert Toferer, Kössen/Schwendt; inhaltlich angeregt von P. Hans Buob, Biblische Predigten zu den Sonntagsevangelien Lesejahr A, S. 379-385)

Die an Jesus gerichtete Frage nach dem wichtigsten Gebot im Gesetz, können wir besser verstehen, wenn wir bedenken, dass die Schriftgelehrten im Laufe der Zeit 613 Gebote und Verbote verfassten, mit denen sie das Gesetz Gottes auslegen. Man darf aber trotzdem nicht meinen, dass die vielen Satzungen von den Juden nur als unerträgliche Last verstanden werden. Viele von ihnen sind längst zur gewohnten und selbstverständlichen Sitte geworden.*

Es ist aber geschehen, dass bei den menschlichen Satzungen Gott nicht immer im Mittelpunkt steht. Es ist sogar geschehen, dass mit manchen Interpretationen des Gesetzes das Gebot Gottes – der eigentliche Wille Gottes – aufgehoben ist.

Mit seiner Antwort auf die Frage des Gesetzeslehrers rückt Jesus Gott und auch den Menschen in den Mittelpunkt des Gesetzes. Das erste und wichtigste Gebot ist die Liebe zu Gott und ebenso wichtig ist die Liebe zum Nächsten.

Und Jesus sagt im Evangelium auch wie wir Gott lieben sollen, mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele, mit allen Gedanken.

Mit Herz ist der Ort gemeint, wo die Gefühle sind. Wir sollen Gott auch emotional lieben, nicht ohne Gefühle. Das Herz ist auch der Ort, wo unser Wille ist, wo wir uns entscheiden etwas zu tun oder nicht zu tun. Wir lieben Gott mit ganzem Herzen, wenn wir fragen: Herr, was ist  dein Wille, jetzt in diesem Augenblick – heute, an diesem Tag, in meinem ganzen Leben? Stets den eigenen Willen dem Willen Gottes unterzuordnen ist Gottesliebe von ganzem Herzen.

Mit Seele können unterschiedliche geistige Kräfte des Menschen gemeint sein, besonders aber unser Streben und unsere Sehnsucht nach Glück und Freude. Gott mit ganzer Seele lieben bedeutet, die Erfüllung und das Glück meines Lebens nicht in vergänglichen Dingen, sondern allein in Gott zu suchen. „Gott allein genügt“, sagt die heilige Teresia von Avila.

Gott mit allen Gedanken lieben bedeutet, sich auch mit dem Denken bemühen Gott noch mehr zu erkennen. Liebe will ja den anderen immer mehr erkennen. Wir lieben Gott, wenn wir uns bemühen ihn in den Werken der Schöpfung zu erkennen. Wir lieben Gott, wenn wir die Heilige Schrift lesen und über sie nachdenken. Es ist auch Liebe zu Gott, wenn wir den Katechismus studieren und so den Glauben an den Dreifaltigen Gott tiefer zu verstehen.

Jesus sagt uns im Evangelium auch wie wir unseren Nächsten lieben sollen, wie uns selbst. Mit der Selbstliebe ist keine egoistische Eigenliebe gemeint, der es nur um sich geht. Mit der Liebe zu sich selbst ist gemeint, dass ich mich so annehme, wie ich bin, weil mich auch Gott so annimmt wie ich bin. Oder, dass ich mir selber verzeihe, was mir nicht gelungen ist, weil mir auch Gott verzeiht, wenn ich mit meinen Fehlern zu ihm komme. Wenn ich mich selbst nicht annehme, wenn ich mit mir selbst unbarmherzig bin, dann werde ich auch den anderen nicht annehmen können, wie er ist und nicht mit ihm barmherzig sein, sondern hart bleiben.

Liebe Brüder und Schwestern!

Jesus hat die beiden Gebote der Gottesliebe und der Nächstenliebe zum einem Hauptgebot der Liebe zusammengefasst. Am meisten hat er selber dieses Gebot gelebt. Er hat mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele, mit all seinen Gedanken Gott geliebt, indem es ihm nur um den Willen seines Vaters gegangen ist. Er hat uns bis zum Letzten geliebt, indem er für uns gelebt und sich für uns hingegeben hat. Jesus ist so die Erfüllung des Gesetzes. Er ist auch für uns die Kraft das Gebot der Liebe zu erfüllen.

Wir stehen noch im Marienmonat Oktober, an dem wir in besonderer Weise eingeladen sind den Rosenkranz zu beten. Maria hilft uns mit Jesus in Verbindung zu bleiben und so die Frucht der Liebe hervorzubringen. Bitten wir die Gottesmutter auch für die Verantwortlichen der Staaten, dass sie das Gebot der Liebe zu Gott und den Menschen als zentrales Gebot für alle Menschen erkennen und dass getrennt von ihm kein Gebot ein wahres Gebot sein kann. Amen.

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