Predigt zum 2. Sonntag im Jkr. LJ B (Pfr. Rupert Toferer, Kössen/Schwendt)

Die Weihnachtszeit hat mit dem Fest Taufe Jesu am vergangenen Sonntag geendet, sodass wir nun wieder im kirchlichen Jahreskreis stehen. Der zweite Sonntag im Jahreskreis lässt aber durch das Evangelium Weihnachten nachklingen. Was wir an Weihnachten feiern, dass der Sohn Gottes Mensch geworden ist, um uns zu erlösen, wird auch im heutigen Evangelium verkündet.

Johannes dem Täufer, der seinen Blick auf Jesus richtet, wird die Erkenntnis geschenkt, dass Jesus das Lamm Gottes ist. In dieser Aussage über Jesus wird die Botschaft von Weihnachten verkündet. Lamm Gottes erinnert an die Worte des Propheten Jesaia der von einem Knecht Gottes spricht. Die Kirche sieht in Jesus die Worte über den Gottesknecht verwirklicht, der von Gott den Auftrag erhält, das Opferlamm zu sein, dem Gott die Schuld von uns allen auflädt (Jes 53,6). Lamm Gottes erinnert auch an das Paschalamm, das für das Volk Israel zum Symbol der Erlösung aus der Knechtschaft Ägyptens geworden ist.

In dieser Einsicht, dass Jesus das Lamm Gottes ist, steckt also schon das Bekenntnis, dass er der Messias ist, der gesandt und gesalbt ist Erlöser der Menschheit zu sein. Wie sehr klingt da in diesem Bekenntnis von Johannes die Weihnachtsbotschaft an: „Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren. Er ist der Messias der Herr“.

 Und auch von den Jüngern, die das Wort des Johannes gehört haben und Jesus gefolgt sind, wird die Weihnachtsbotschaft verkündet mit dem Worten: „Wir haben den Messias gefunden“. Zu diesem Bekenntnis über Jesus sind sie nicht mit ihrem eigenen Verstand gekommen. Es ist ihnen geschenkt worden aus der Begegnung mit ihm. Auf die Frage der Jünger: Meister, wo wohnst du? hat Jesus sie eingeladen mit ihm zu kommen: „Kommt und seht“, wörtlich: „Kommt und ihr werdet sehen“. In dieser Zeit bei ihm sind sie sehend geworden.

Sehend werden heißt, erkennen, dass in Jesus mehr da ist als ein Mensch, dass in ihm Gott da ist. (Vgl. Hans Buob, biblische Predigten zu den Sonntagsevangelien Lesejahr B, S. 187). Diese Einsicht kann sich niemand selber geben. „Keiner kann sagen: Jesus ist der Herr!, wenn er nicht aus dem Heiligen Geist redet“ (1 Kor 12,3).

Das Entscheidende im Leben der Apostel war, dass ihm gefolgt und bei ihm geblieben und so sehend geworden sind. Auch wir sind eingeladen dorthin zu gehen, wo Jesus wohnt. Er will auch uns immer mehr sehend machen.  Wo wohnt Jesus? Wo ist er gegenwärtig?

Zu allererst denke ich da an die Eucharistie. Er ist da im Wort und er ist da wirklich und wesentlich im Allerheiligsten Sakrament. Man hört auch manchmal noch die Aussage der „Messfeier beiwohnen“. Es ist ein bei ihm sein, auf ihn hören und ihm Begegnen.

Jesus wohnt auch außerhalb der Liturgie, wo Menschen in seinem Namen versammelt sind: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“ (Mt 18,20). Sich zu entscheiden an einer gemeinsamen Glaubens-Veranstaltung  mitzumachen, ist eine Entscheidung dort sein zu wollen, wo Jesus ist, in der Mitte der Menschen, die in seinem Namen versammelt sind. Auch die Sternsinger Aktion ist eine gemeinsame Veranstaltung für Jesus gewesen. Zuerst waren manche unwillig sich zu beteiligen, dann aber ist das gemeinsame Gehen und Singen zu einer Begegnung mit Jesus in ihrer Mitte geworden, die sie mit Freude erfüllt hat.

Liebe Brüder und Schwestern!

In der Lesung und im Evangelium haben wir gehört, dass Gott Menschen beruft und dass Menschen seinen Ruf hören und bereit sind ihm folgen. Bitten wir Gott, dass er auch in unserer Zeit nicht aufhört Menschen zu rufen und ihnen die Kraft gibt ihm zu folgen.  Beten wir, dass es zu keiner Zeit an Menschen fehl, die durch ihr Wort und mit ihrem ganzen Leben die Botschaft von Weihnachten verkünden, dass Gott uns in Jesus Christus den Erlöser und Heiland der Welt geschenkt hat. Amen.

Dieser Beitrag wurde unter Kirche/Liturgie veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.