Predigt zum 3. Sonntag im Jkr. Lj B (Pfr. Rupert Toferer, Kössen/Schwendt)

Wir haben in der Lesung einen kurzen Abschnitt aus dem Buch Jona gehört. Die Erzählung vom Propheten Jona, der von Gott in die Stadt Ninive gesandt wird, um ihr wegen des schlechten Verhaltens den Untergang anzukündigen, lehrt die tiefe Wahrheit dass Gottes Barmherzigkeit allen Menschen gilt. Ninive war eine Stadt der Assyrer, die ja die bittersten Feinde Israels gewesen sind. Gerade sie geben das Beispiel des Gehorsams gegenüber der Botschaft Gottes und der Bereitschaft zur Umkehr. Das Volk Israel ist in der Zeit nach der Heimkehr aus der babylonischen Gefangenschaft in Gefahr gewesen sich abzukapseln und das, was Gott ihm geschenkt hat, Vergebung und Neubeginn, nur für sich in Anspruch zu nehmen. Das Buch Jona korrigiert diese verengte Sicht und lehrt, dass Gott allen Menschen barmherzig ist, die ihre Schuld bereuen, Buße tun und Gott um Erbarmen bitten, wie es die Bewohner von Ninive getan haben. (Vgl. zu diesem und folgenden Gedanken die Einführung zum Buch Jona in der Jerusalemer Bibel)

Das Buch Jona berichtet auch von der Reaktion des Propheten über das barmherzige Verhalten Gottes gegenüber den sündigen Menschen in Ninive. Jona tut sich schwer mit Gott, der ihn zuerst von zu Hause wegruft und ihn in diese fremde Stadt sendet und ihn das Unheil ankündigen lässt, es aber dann doch nicht ausführt. Er hat vielleicht zu wenig erkannt, dass er ein Werkzeug der Barmherzigkeit Gottes war. Auch die Androhung, die er ausrufen musste, ist ein Ausdruck der Barmherzigkeit Gottes gewesen, denn die Androhung hat Umkehr, hat Änderung ihres Verhaltens bewirkt, sodass Gott Vergebung schenken konnte. Gott wartet ja oft nur auf ein Zeichen der Reue, um Vergebung schenken zu können.

Gott will, dass der Mensch umkehrt, dass er zu ihm zurückfindet und so das Leben hat, das Leben in Fülle, dass ewige Leben. Um dieses Ziel zu erreichen, geht er oft die verschiedensten Wege mit den Menschen.

Dass die Umkehr der Menschen der Wille Gottes ist, haben wir auch im Evangelium gehört. Die ersten Worte Jesu, die er in der Öffentlichkeit spricht, sind eine Aufforderung zur Umkehr: „Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium“.

Das griechische Wort für Umkehr bedeutet wörtlich übersetzt Sinnesänderung, Richtungsänderung im Denken: Das Denken nicht von sich selber, von seinen eigenen Interessen bestimmen zu lassen, sondern von Gott her, von dem was Gott spricht. (Vgl. Hans Buob, Biblische Predigten zu den Sonntagsevangelien Lesejahr B, S. 191)

Jesus sagt: Glaubt an das Evangelium. Er will, dass wir ihm ganz vertrauen und den Worten, die er gesprochen hat. „Auf ihn sollt ihr hören“, spricht die Stimme des Vaters auf dem Berg der Verklärung. „Tut, was er euch sagt“, sind die Worte der Gottesmutter, die sie auf der Hochzeit von Kana spricht.

Liebe Brüder und Schwestern!

Umkehr bedeutet sich für Jesus und seine Botschaft zu entscheiden. Wo dies geschieht kommt das Reich Gottes an. Umkehr ist daher die Voraussetzung, dass Gott in uns wirken kann, dass er uns mit seiner Liebe und Barmherzigkeit beschenken kann.

Im heutigen Evangelium haben wir die Berufung der ersten Apostel gehört. Mit den Worten: „Kommt her, folgt mir nach!“, ruft Jesus Menschen von der Arbeit und von der Familie weg. Er ruft Menschen, die alle irdischen Bindungen verlassen, die bei ihm bleiben, von ihm lernen und die er dann hinaussendet, damit der Ruf zur Umkehr nicht verstummt und damit die Frohe Botschaft, dass Gott allen Menschen Barmherzigkeit schenken will, zu allen Zeiten und an allen Orten verkündet wird. Amen.

 

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