Predigt zum 3. Fastensonntag, Lj B (Pfr. Rupert Toferer, Kössen/Schwendt)

In der Lesung haben wir gehört, wie Gott dem Mose auf dem Berg Sinai Weisungen gibt. Es sind die Zehn Gebote, die Grundregeln für das Leben in Beziehung mit Gott und für das Leben der Menschen untereinander. 

Bevor die einzelnen Gebote genannt werden, steht ein Satz, der ein zentraler Satz im Glaubensbekenntnis von Israel ist: „Ich bin Jahwe, dein Gott, der dich aus Ägypten geführt hat, aus dem Sklavenhaus“. Israel wird daran erinnert, dass Gott ein Gott ist, der die Not sieht, der befreit, der sein Volk aus Unterdrückung und Sklaverei rettet und ein Leben in Freiheit schenkt.

Das Volk Gottes wird also daran erinnert, dass es zuerst von Gott geliebt ist. Israel verdankt seine Freiheit, das Land, seine ganze Existenz als Volk der großen Liebestat Gottes. Das Halten der Gebote ist eine Antwort auf diese Liebe Gottes.

 

Das Ereignis der Befreiung in der Geschichte Israels ist aber noch nicht die ganze Wirklichkeit. Es ist noch ein Bild für die eigentliche Befreiung, die Gott durch seinen Sohn Jesus Christus schenkt. Die Befreiung, die Gott durch Jesus gewirkt hat, ist nicht eine Befreiung von einer sichtbaren, weltlichen Macht, wie es der ägyptische Pharao gewesen ist, sondern es ist die Befreiung von einer unsichtbaren, widergöttlichen Macht, die den Menschen versklavt und die in der Schrift Teufel oder Satan genannt wird.

 

Jesus ist der neue Mose, den Gott gesendet hat, mit dem Auftrag, die Menschheit von der Herrschaft der Sünde zu befreien. Der heilige Apostel Paulus spricht im Römerbrief von dieser Wirklichkeit, dass der Mensch nicht frei ist, dass in ihm die Sünde wohnt, die ihn beherrscht und ihn daran hindert das Gute zu tun, das er tun will (Vgl. Röm 7,14-25).

In Jesus Christus hat uns Gott den wahren Erlöser geschenkt. Durch die Taufe hat er uns bereits hineingenommen in den Tod und die Auferstehung Christi und uns erlöst und uns neues-befreites Leben geschenkt.

Gott hat uns durch Jesus in den Bund mit ihm aufgenommen. Damit ein Bund geschlossen und lebendig werden kann, braucht es aber immer zwei Seiten: Gott und den Menschen. Gott hat sich in Jesus ganz für uns entschieden, sich für uns hingegeben, um uns für sich zu erwerben. In der Fastenzeit sind wir eingeladen diese Liebe Gottes neu zu entdecken. Wir tun dies, wenn wir auf Jesus schauen, besonders auf den Weg des Leidens, den er für uns gegangen ist. Je mehr uns dabei bewusst wird, wie sehr wir von Gott geliebt sind, umso mehr werden wir auch bewegt uns für Gott zu entscheiden, uns ihm zu schenken, uns seinem Willen hinzugeben und so den Bund mit ihm zu leben. (Vgl. Hans Buob, Bibl. Predigten zu den Sonntagsevangelien Lesejahr B, S 88)

 

Liebe Brüder und Schwestern!

In der Fastenzeit bereiten wir uns auf die Tauferneuerung in der Osternacht vor. Wir sind eingeladen in dieser Gnadenzeit unser Leben zu prüfen und zu erkennen wo es uns zu wenig gelungen ist den Bund mit Gott zu leben. Wir sind eingeladen im Licht  der Zehn Gebote unser Leben zu betrachten. Eine Hilfe dazu bietet das Gotteslob in Nummer 601.

Wir haben im Evangelium gehört, wie Jesus den Tempel von Jerusalem reinigt von allem was nicht der Würde des Ortes entspricht. Nicht nur das Gotteshaus ist ein Tempel. Jesus selber ist der Tempel. In ihm ist Gott gegenwärtig. Paulus erinnert uns daran, dass auch unser Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in uns wohnt (Vgl. 1 Kor 6,19 und 3,16). Jesus hat Verlangen auch den Tempel unseres Leibes zu reinigen von allem, was nicht hineingehört. Dazu hat er uns am Ostertag das Sakrament der Beichte geschenkt. Am Kreuz hat Jesus die Reinigung von unseren Sünden bewirkt. Es liegt an uns sie anzunehmen, besonders jetzt in der Vorbereitung auf Ostern. Möge Ostern bewirken, dass unser Bund mit Gott gefestigt und das neue-befreite Leben, das wir in der Taufe empfangen haben, gestärkt wird. Amen.

 

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