Predigt zum 5. Fastensonntag – Passionsonntag Lj A, (Pfr. Rupert Toferer, Kössen/Schwendt; inhaltlich angeregt durch P. Hans Buob, Biblische Predigten zu den Sonntagsevangelien, Lj A, S 106-108)

Jesus spricht mit dem Bild vom Weizenkorn zu uns. Es kann nur fruchtbar werden und neues Leben hervorbringen, wenn es in die Erde fällt und stirbt. Wenn es nicht bereit ist sein Leben hinzugeben, kann es nicht Frucht bringen. Mit diesem Bild spricht Jesus von sich selber. Er ist das Weizenkorn, das sich in die Erde gibt und reiche Frucht bringt. Er ist in das Grab gelegt worden und auferstanden und hat reiche Frucht gebracht. Alle, die an ihn glauben, empfangen durch seinen Tod und seine Auferstehung das Leben. Im Evangelium ist von Griechen die Rede, die Jesus sehen wollen. Damit ist angedeutet, dass Menschen aller Völker und Nationen berufen sind durch den Glauben an Jesus Christus das Leben zu empfangen.

 

Das Geheimnis des Weizenkornes besteht darin, dass es ohne Hingabe seines Lebens kein neues Leben gibt. Ohne die Bereitschaft sein Leben hinzugeben gibt es keine Fruchtbarkeit. Die Österreichische Bischofskonferenz hat eingeladen heute an die vielen verfolgten Christen zu denken und für sie zu beten. Unzählige Christen müssen für ihren Glauben an Jesus Christus leiden und sogar sterben. Sie folgen dem Weizenkorn Jesu und sind so Same für neues Leben.

Auch wenn wir gegenwärtig nicht gewaltsame Verfolgung erleiden müssen, gibt es doch im Alltag viele Situationen Weizenkorn zu sein, indem wir dem eigenen Willen sterben und so fruchtbar für andere werden. Die Widerwärtigkeiten des Alltages aus Liebe zu Jesus anzunehmen ist die Haltung des Weizenkornes, das fruchtbar wird. Jesus sagt, wer sein Leben liebt, verliert es. Wer seinem Ego folgt und immer nur das tut was ihm Spaß macht und wozu er Lust hat, der verliert sein Leben.  Meistens, wenn wir unserem Ego folgen, ist hinterher das Gefühl der Unzufriedenheit oder Traurigkeit. Wir verlieren etwas vom Leben. Wenn wir bereit sind nicht an unserem Leben zu hängen und tun, wozu wir keine Lust haben, was nicht so angenehm oder bequem ist, dann gewinnen wir das Leben.

Wenn wir zum Beispiel ein Unrecht annehmen und sagen: „Herr, du hast Unrecht erlitten und ich versuche dieses Unrecht jetzt mit dir anzunehmen und dir ähnlich zu werden“, dann werden wir erleben, dass wir nicht an Lebensqualität verlieren, sondern tiefe und befreiende Freude erfüllt uns. Das Gesetz des Weizenkorns gilt im täglichen Leben: Ohne die Bereitschaft, dem eigenen Willen zu sterben, gibt es kein neues Leben, keine Fruchtbarkeit. Wieviel Leben geht von Menschen aus, die vereint mit Jesus, ihr tägliches Kreuz, die Widerwärtigkeiten des Alltages, geduldig annehmen und tragen?

 

Wir stehen einen Tag vor dem Hochfest des heiligen Josef. Er ist uns ein besonderes Vorbild für die Haltung des Weizenkorns, das bereit ist zu sterben, um neues Leben hervorzubringen. Wie oft hat er seinen Willen zurückgenommen und „Ja“ gesagt zum Willen Gottes, wie zum Beispiel in der Nacht als Flüchtling nach Ägypten aufzubrechen. Durch die Bereitschaft seinem Willen zu sterben, ist er zum Leben für Maria und Jesus und so auch zum Leben für uns geworden. Bitten wir ihn um seine Fürsprache, dass auch uns die Haltung des Weizenkorns gelingt, in den vielen täglichen Situationen dem Ego zu sterben und so zum Leben für andere zu werden und auch selber das Leben zu gewinnen. Amen.

 

 

 

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