Predigt zum 4. Sonntag der Osterzeit (Pfr. Rupert Toferer, Kössen/Schwendt)

Im Evangelium sagt Jesus von sich selber: Ich bin der gute Hirte.

Mit den Worten guter Hirte bekennt sich Jesus als Messias. Gott, der  selber der Hirte seines Volkes ist, hat versprochen seinem Volk in der messianischen Zeit einen Hirten nach seiner Wahl zu geben (Vgl. Ez 34,11-24; Kommentar der Jerusalemer Bibel zu Joh 10,11).

Jesus ist dieser versprochene gute Hirte. Er ist es, weil er die größte Liebe zu hat, weil er sein Leben für seine Schafe hingibt.

Für Leben steht im griechischen Urtext nicht das Wort bios oder zoe, sondern das Wort psychen. Mit diesem Begriff ist mehr gemeint als das biologische Leben. Jesus hat sich nicht nur im Tod hingegeben. Er hat sich hingegeben mit seiner ganzen Person, mit allem, was er ist und was er getan hat. Gemeint ist das ganze Leben, das Jesus für uns gegeben hat (Vgl. P. Hans Buob, Biblische Predigten zu den Sonntagsevangelien, Lj. B S. 141-142).

Dass er vom Himmel herabgestiegen und Mensch geworden ist, dass er in Bethlehem in Armut geboren ist, dass er als Kind und Jugendlicher den Eltern gehorsam war, dass er Apostel ausgewählt und berufen und sie geduldig unterrichtet hat, dass er das Reich Gottes verkündet, sich den Kranken und Leidenden zugewendet hat, alles in seinem Leben geschieht in der Haltung des guten Hirten: Das Leben für seine Schafe hingeben.

 

Im ersten Johannesbrief heißte es: Daran haben wir die Liebe erkannt, dass er sein Leben für uns hingegeben hat. So müssen auch wir für die Brüder das Leben hingeben (1 Joh 3,16).

Im unserem christlichen Leben geht es darum, dass wir erkennen wie sehr wir von Gott geliebt sind, dass er sich selber ganz für uns gegeben hat. Und es geht darum auf diese unendliche Liebe Gottes die entsprechende Antwort zu geben. Diese besteht darin, dass auch wir ihm unsere Liebe zu schenken, indem wir nicht für uns, sondern für unsere Brüder und Schwestern leben.

 

Die Kraft für diese Liebe empfangen wir aus der Verbindung mit dem guten Hirten. Durch Taufe und Firmung gehören wir bereits zu seiner Herde. Wir sind ein Schäflein von ihm.

Sein Geist der Liebe ist bereits in uns. Aber es ist wichtig, dass wir dieses göttliche Leben in uns immer wieder von ihm, dem guten Hirten, nähren und stärken lassen, besonders durch das Gebet und die Sakramente. Der gute Hirte ist die Kraft in unserem Leben ein Hirte für die Menschen zu sein, die uns anvertraut sind. Er ist die Kraft, dass alles, was wir im täglichen Leben tun in der Familie, im Beruf, in ehrenamtlicher Tätigkeit in der Haltung des guten Hirten geschieht: Das Leben für die Schafe hingeben.

 

Heute sind wir besonders eingeladen um geistliche Berufe zu beten. Wir brauchen Menschen, die sich durch das Sakrament der Priester- oder Diakonen Weihe  ganz in den Dienst des guten Hirten stellen, damit wir durch ihren Dienst immer genug geistliche Nahrung von Jesus bekommen.

Papst Franziskus schreibt zum 55. Weltgebetstag um geistliche Berufe:

Wir sind nicht dem Zufall überlassen und auch nicht getrieben von einer Folge ungeordneter Ereignisse, sondern im Gegenteil, unser Leben und unser Sein in der Welt entstammen einer göttlichen Berufung!

Bei aller Unterschiedlichkeit und Einzigartigkeit jeder persönlichen oder kirchlichen Berufung geht es darum, dieses Wort, das uns von oben ruft, zu hören, zu erkennen und zu leben. Zugleich erlaubt es uns, unsere Talente zu entfalten. Es macht uns auch zu Heilswerkzeugen in der Welt und weist uns so den Weg zur Fülle des Glücks.

Der Herr ruft immer wieder neu dazu auf, mit ihm zu leben und ihm in einer Beziehung besonderer Nähe nachzufolgen, ihm unmittelbar zu Diensten zu sein. Und wenn er uns verstehen lässt, dass er uns dazu beruft, uns ganz seinem Reich zu weihen, brauchen wir keine Angst haben! Es ist schön – und es ist eine große Gnade – ganz und für immer Gott geweiht zu sein und für den Dienst an den Schwestern und Brüdern! Die selige Jungfrau Maria, das junge Mädchen von der Peripherie, das auf das menschgewordene Wort Gottes gehört, es angenommen und gelebt hat, behüte uns und begleite uns allzeit auf unserem Weg. Amen.

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