Predigt zum 22. Sonntag im Jkr, Lj B (Pfr. Rupert Toferer, Kössen/Schwendt; angeregt durch Gedanken von P. Hans Buob, Biblische Predigten zu den Sonntagsevangelien Lj B, S. 324-331)

Im Evangelium gibt Jesus eine Antwort auf die Frage:
Was macht den Menschen unrein? Pharisäer und Schriftgelehrte, die sich bei Jesus aufhalten und ihn kontrollieren, sehen, dass einige seiner Jünger ihr Brot mit ungewaschenen Händen essen und sie fragen ihn, warum sie das tun dürfen. Jesus korrigiert seine Jünger nicht, weil diese Reinheitsvorschrift einerseits eine menschliche Überlieferung ist und kein Gebot Gottes, und weil  das  Unterlassen der äußeren Reinigung den Menschen nicht wirklich unrein macht. Auch das Vernachlässigen der Speisevorschriften kann den Menschen nicht unrein machen. Jesus erklärt alle Speisen für rein mit den Worten: „Nichts, was von außen in den Menschen hineinkommt, kann ihn unrein machen“.

Was den Menschen unrein macht ist, was aus ihm herauskommt. Jesus meint die Unreinheit, die aus dem Herzen kommt. Wenn sich der Mensch für das Böse entscheidet, dann wird er unrein. Das geschieht auch schon, wenn er den  bösen Gedanken in ihm Raum gibt. „Von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen die bösen Gedanken“. Jeder von uns macht die Erfahrung, dass es in seinem Herzen nicht nur die guten Gedanken gibt, die Gedanken der Liebe zu Gott und den Menschen, sondern auch gegenteilige Gedanken.

 

Jesus nennt die bösen Gedanken, die aus dem Herzen der Menschen kommen, beim Namen. Es gibt im Herzen der Menschen die Gedanken der Unzucht, das sinnliche Verlangen nach einem Menschen, den Gott mir nicht zugedacht hat. Es gibt im Herzen die Gedanken des Diebstahls, etwas zu nehmen was nicht mir gehört. Es gibt im Herzen des Menschen Gedanken des Mordes. Auch diese können wir nicht leugnen. Wer hat nicht schon einmal gegenüber einem Mitmenschen den ernsten Gedanken gehabt ihn auf dem Mond schießen zu wollen, den Wunsch also, dass er nicht mehr da ist. Es gibt im Herzen der Menschen die Gedanken des Ehebruchs, der Gedanke ein anderer könnte mich glücklicher machen, oder die Gedanken der Habgier, immer mehr haben zu müssen.

Es gibt im Herzen auch den Gedanken des  Neides, der daran hindert dankbar zu sein für das, was Gott mir und anderen gegeben hat. Wir sind eingeladen bei der täglichen Gewissenserforschung nicht nur die Worte und Taten zu bedenken, sondern auch unsere Gedanken.

Was uns verunreinigt kommt aus unserem Herzen heraus. Wir haben oft nicht die Kraft den bösen Gedanken zu widersagen, sie wegzuschicken, und so werden wir unrein im Innersten.

Der heilige Apostel Paulus bekennt, dass in ihm das Böse vorhanden ist, und dass er sich nicht selber davon befreien kann. Er stellt sich die Frage: „Wer wird mich […] erretten“? Voll Freude gibt er die Antwort: „Dank sei Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn“! (Röm 7,24-25) 

Das ist die Frohe Botschaft, dass wir uns nicht selber erlösen müssen und es auch nicht können. Bei der Fußwaschung sagt Jesus zu Petrus, der sich geweigert hat von ihm die Füße waschen zu lassen: „Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir“ (Joh 13,8). Damit ist die innere Reinigung gemeint, die Jesus uns schenken will und die notwendig ist, damit wir an seinem Leben Anteil haben können.

Liebe Brüder und Schwestern!

Wir sind eingeladen unsere Herzen dem Herrn Jesus zu öffnen. Er hat Sehnsucht danach uns zu reinigen. Er tut dies besonders, wenn wir uns zur heiligen Messe versammeln, in der er gegenwärtig ist mit seiner großen Tat der Liebe, durch die er uns erlöst hat. Wir dürfen mit ihm sprechen, ihm alles anvertrauen. Er hört uns zu.

Bei unserer Wallfahrt nach Medjugorje durften wir wieder erleben wie viele Menschen das Verlangen haben die Reinigung anzunehmen, die Jesus durch das Sakrament der Beichte schenkt. Die Beichtstühle werden dort auch die „Waschmaschinen Gottes“ genannt. Sie hören nicht auf sich zu drehen, weil so viele Menschen das Verlangen haben nach innerem Frieden, den dieses Sakrament schenkt. Möge auch in uns das Verlangen stark werden, dem Herrn Jesus das Herz zu öffnen, der es reinigen und zu einem Herzen verwandeln will, das immer mehr die Liebe hervorbringt. Amen.

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