Predigt zum 29. Sonntag im Jkr, Lj B (Kirchweih- und Weltmissionssonntag) (Pfr. Rupert Toferer, Kössen/Schwendt; angeregt durch Gedanken von P. Hans Buob, Biblische Predigten zu den Sonntagsevangelien Lj B, S. 374-380)

Dass sich die zehn Jünger über Johannes und Jakobus ärgern ist verständlich,

wenn man bedenkt, dass sie mit Jesus auf dem Weg nach Jerusalem sind und sie immer noch denken, dass er dort sein Reich als Messias aufrichten wird. Sie erwarten also noch ein Reich von dieser Welt, ein irdisches Reich, in dem es auch die verschiedenen Ämter braucht, wie zum Beispiel die Minister. Wenn Jakobus und Johannes dabei den anderen zuvorkommen wollen, dann ist es nicht verwunderlich, wenn sie  unmutig werden.

 

Man kann die Bitte der beiden Jünger aber auch anders verstehen, besonders im Blick auf den heiligen Johannes. Von ihm wird gesagt, dass er der Jünger ist, den Jesus liebte. Er ist der Jünger, der beim letzten Abendmahl an der Brust Jesu gelegen hat. Die Bitte: „Lass in deinem Reich einen von uns rechts und den anderen von uns links neben dir sitzen“, kann daher die Sehnsucht des Apostels ausdrücken dem Herrn ganz nahe sein zu wollen. „Lass in deinem Reich“, heißt wörtlich übersetzt: „Lass in deiner Herrlichkeit“. Dieses Wort steht immer für die himmlische Herrlichkeit. Es kann also sein, dass Johannes bereits geahnt hat, dass Jesus, der ja unmittelbar zuvor von seinem Tod und Seiner Auferstehung gesprochen hat, schon bald in seine himmlische Herrlichkeit zurückkehren wird. Die Bitte des Apostels kann daher als Ausdruck seiner Sehnsucht verstanden werden, dort zu sein, wo Jesus hingeht, in die himmlische Herrlichkeit.

 

Wir feiern die Weihe dieses Gotteshauses, den Tag an dem Gott dieses Haus zu eigen genommen hat, den Tag an dem er hier Wohnung genommen hat. Die Bitte des Johannes regt auch jeden von uns an sich zu fragen: Wie steht es mit meinem Verlangen dem Herrn nahe zu sein, dort sein zu wollen, wo Jesus ist? Er ist hier. Ist in mir das Bedürfnis in das Gotteshaus einzutreten, wenn ich an ihm vorbei gehe und den Herrn zu grüßen und etwas bei ihm zu sein? Drängt es mich in seiner Nähe zu sein?

Jesus garantiert den beiden Jüngern nicht, im Himmel die Plätze neben ihm zu erhalten. Aber er gibt ihnen eine Lehre darüber mit welcher Haltung sie die Aufgabe als Apostel ausüben sollen, damit sie einmal im Himmel ganz nahe bei ihm sein können. Bei Gott sind die groß, die sich auf Erden klein machen, die nicht über andere herrschen, sondern ihnen dienen. „Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen“, betet Maria im Magnifikat. Das Beispiel für diese Haltung ist Jesus selber, wie wir es im Evangelium gehört haben: „Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele“. Mit diesem Satz gibt Jesus den Jüngern eine Antwort auf ihre Sehnsucht. Sie sollen ihren Blick nicht so sehr auf das richten, was kommen wird. Ihre Sehnsucht soll zuerst sein mit ihrem ganzen Leben dem Reich Gottes zu dienen. „Suchet zuerst das Reich Gottes, alles andere wird euch dazugegeben“ (Vgl. Mt 6,33).

 

Auch unsere Sehnsucht soll sein dem Reich Gottes zu dienen, ein Werkzeug für Gott zu sein, der durch uns sein Reich aufbauen will. Wir sind ein Werkzeug Gottes, wenn wir nicht aufhören für die Menschen zu beten. Im Oktober sind wir besonders eingeladen den Rosenkranz zu beten, durch den wir mitwirken können, dass in der Welt das Gute stärker wird. Wir dienen dem Reich Gottes auch, wenn wir mithelfen das Gotteshaus zu erhalten oder uns bei der Gestaltung der Gottesdienste einbringen, oder die Sorge für die bedürftigen Menschen mittragen. Der Weltmissionssonntag erinnert uns, dass wir nicht nur berufen sind den Glauben zu empfangen, sondern auch gesendet sind mit dem Auftrag mitzuwirken, dass die Frohe Botschaft die Menschen in der ganzen Welt erreicht.

 

Liebe Brüder und Schwestern!

Möge dieses Gotteshaus uns immer wieder einladen hierher zu kommen, bei ihm zu sein und von ihm zu empfangen. Er selber erweckt in uns die Sehnsucht dem Reich Gottes dienen zu wollen, ein Werkzeug für ihn zu sein. Wenn das immer mehr unser Verlangen hier auf Erden ist, dann dürfen wir vertrauen, dass er auch die tiefere Sehnsucht stillt einmal ganz bei ihm sein zu dürfen. Amen.

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