Predigt zum 7. Sonntag im Jkr. Lj C (Pfr. Rupert Toferer, Kössen/Schwendt; gedanklich angeregt durch P. Hans Buob, Biblische Predigten zu den Sonntagsevangelien, Lj C, 203-209).

Wir haben heute wiederum ein Abschnitt aus der Rede Jesu gehört, die im Lukasevangelium Feldrede und im Matthäusevangelium Bergpredigt genannt wird.

Einleitend zu dieser Rede wird gesagt, dass Jesus zu seinen Jüngern spricht, bei Lukas zu einer großen Schar seiner Jünger. Jünger sind jene, die ihm zuhören und die sich entschieden haben ihm zu folgen: „Euch, die ihr mir zuhört, sage ich“.

Diese schwer zu verdauenden Worte der Feldrede bzw. der Bergpredigt richtet Jesus also an Menschen, die sich auf ihn einlassen. Denn nur für sie ist es möglich diese Worte anzunehmen und zu leben. Denn die Worte der Feindesliebe sind nicht mit der menschlichen Kraft zu verwirklichen, sondern nur mit der göttlichen Kraft, die Jesus durch die Gemeinschaft mit ihm schenkt. Es braucht die Tugend der göttlichen Liebe, damit es möglich ist dieses neue Gebot Jesu zu leben.

Jesus entfaltet das Gebot der Feindesliebe in mehrere Facetten: „Tut denen Gutes, die euch hassen. Segnet die, die euch verfluchen. Betet für die, die euch beschimpfen. Diese Worte besagen, dass es nicht möglich ist Böses mit Bösem zu besiegen. Es kann nur mit dem Guten, nur mit Taten der Liebe besiegt werden. Zu den Taten der Liebe gehört auch die Bereitschaft für jene zu beten, die mir Böses angetan haben und sie zu segnen.

„Dem, der dich auf die Wange schlägt, halt auch die andere hin und dem, der dir den Mantel wegnimmt, lass auch das Hemd. Gib jedem, der dich bittet“. Mit diesen Worten ist etwas überspitzt ausgesagt, was die Feindesliebe verlangt: Unrecht zu ertragen, auf sein Recht zu verzichten, ja sogar sich ausnehmen und ausnützen zu lassen. Das können wir natürlich nur schwer schlucken. Aber die Liebe Jesu ist so weit gegangen und möchte auch in uns und durch uns so weit gehen.

Wir haben auch gehört, dass in der göttlichen Liebe kein Lohngedanke enthalten ist. Dort, wo jemand nur die liebt, von denen er geliebt wird, oder nur denen Gutes tut, die ihm Gutes tun, dort ist nicht die Liebe verwirklicht die Jesus verkündet. Eine solche Liebe hat keinen Wert vor Gott, kann keinen Dank erwarten. Überlegen wir, wie oft wir einem Menschen Gutes tun mit dem Hintergedanken bei ihm gut dastehen zu wollen, weil ich ja doch bald wieder etwas von ihm brauche? Wie oft ist in unseren guten Taten Berechnung mit dabei?

Jesus aber sagt zu jenen, die ihm zuhören, die seine Jünger sein wollen: Ihr sollt eure Feinde lieben und Gutes tun und leihen, wo ihr nichts zurück erhoffen könnt. Und er verspricht ihnen, dass dann ihr Lohn groß sein wird und sie werden Söhne des Höchsten sein. Es bedeutet etwas unvorstellbar Großes Söhne des Höchsten zu sein: Zukunft, ewiges Leben zu haben, für immer bei Gott sein und von ihm beschenkt zu werden.

Aber es soll nicht der Gedanke an Lohn sein, der uns motiviert Gutes zu tun. Allein die Liebe soll unsere Motivation sein Gutes zu tun. Einerseits, weil die Liebe am meisten sichtbar macht, dass wir Söhne und Töchter Gottes sind – Abbild Gottes – sind, andererseits, weil der Mensch selbst am meisten beschenkt ist, wenn ihm die Liebe gelingt. „Die Liebe ist sich selbst Verdienst und Lohn“, sagt der heilige Bernhard von Clairvaux (Lektionar zum Stundenbuch I/6 S 322).

Liebe Brüder und Schwestern!

Jesus spricht diese Worte von der Feindesliebe zu seinen Jüngern, die auf ihn hören, und so auch zu uns, die wir immer wieder die Gemeinschaft mit ihm suchen. Er möchte uns fähig machen die Feindesliebe zu leben, die wohl ein ganzes Leben lang nie ausreifen wird. Er aber wird uns vollenden. Sich auf Jesus und sein Wort einzulassen, muss die Bereitschaft mit sich bringen verlacht und nicht verstanden zu werden. Aber dann gehören wir auch zu jenen, die von ihm seliggepriesen werden und zu denen er die Verheißung spricht: „Euer Lohn im Himmel wird groß sein“ (Lk 6,22-23). Amen.

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