Predigt zum 22. Sonntag im Jkr. Lj C (Pfr. Rupert Toferer, Kössen /Schwendt)

Im heutigen Evangelium korrigiert Jesus die Fehlhaltung des Menschen sich Ehrenplätze auszusuchen und sich so über andere zu stellen. Der Mensch ist von Gott erschaffen, von ihm abhängig, von ihm gehalten und getragen. Auch seine Talente hat er sich nicht selber gegeben. Sie sind ihm von Gott anvertraut, damit er sie entfaltet und einsetzt.

Es entspricht also nicht der Wahrheit des Menschen, wenn er sich selbst besser vorkommt als die anderen und sich Ehrenplätze aussucht. „Warum rühmst du dich als hättest du es nicht empfangen?“ sagt Paulus (1 Kor 4,7).

Die richtige Haltung des Menschen ist es dankbar zu sein, sich beschenkt zu wissen und daher bescheiden und demütig zu sein, auch wenn jemand wegen seiner gesellschaftlichen Stellung über andere steht. Deshalb ist es Weisheit des Menschen, wenn er danach strebt das zu leben, was wir in der Lesung gehört haben: „Mein Sohn, bei all deinem Tun bleibe bescheiden, […]. Je größer du bist, umso mehr bescheide dich, dann wirst du Gnade finden bei Gott“.

Es gelingt uns aber nicht immer das zu leben. Oft können wir der Versuchung nicht widerstehen den vorderen und besseren Platz zu ergattern: Im Straßenverkehr, an der Kassa im Kaufhaus, im Wartesaal beim Arzt, im Restaurant, …

Jesus sagt: „Wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden“. Wer sich den Ehrenplatz aussucht, der macht sich größer als andere, er stellt sich über sie, er erhöht sich selbst.

Wer sich zurücknimmt und anderen den Vortritt lässt, der macht sich selbst klein und macht andere groß. Er erniedrigt sich selbst. Er wird erhöht werden.

Im zweiten Teil des Evangeliums spricht Jesus nicht mehr zu den Gästen, sondern zum Gastgeber. Er gibt uns in diesem Evangelium auch eine Lehre darüber, wie wir uns verhalten sollen, wenn wir ein Essen geben.

Wir sollen Menschen einladen, die es nicht verdienen, die es uns nicht vergelten können: Arme, Krüppel, Lahme, Blinde. Wir können dazu fügen: Menschen, die uns nicht sympathisch sind, die uns nicht Gutes getan haben.

Dieses Verhalten ist ein Bild für das Verhalten Gottes selber. Er selbst lädt zu seinem Gastmahl jene ein, die es nicht verdient haben, die es ihm nicht vergelten können. Dazu gehören wir alle. Gott lädt ein zum Himmlischen Hochzeitsmahl. Es ist sein Wille, uns an der Fülle seines Lebens teilnehmen zu lassen, uns in Ewigkeit zu beschenken mit seiner Liebe, seinem Frieden, seiner Freude. Das ist etwas unglaublich Großes, das kein Mensch verdienen oder vergelten könnte.

An uns liegt es, etwas von dieser selbstlosen Liebe Gottes in unserem irdischen Leben sichtbar zu machen. Sie wird sichtbar, wenn zum Beispiel ein Ehepartner nicht aufhört Gutes zu tun, auch wenn er nur wenig Gegenliebe bekommt. Sie wird sichtbar, wenn jemand seinen Freund nicht verlässt, auch wenn er von ihm enttäuscht worden ist. Sie wird sichtbar, wenn ehrenamtliche Mitarbeiter nicht aufhören ihren Dienst zu tun, auch wenn sie dafür wenig Anerkennung und Dankbarkeit bekommen.

Liebe Brüder und Schwestern!

Wenn wir uns zum Gottesdienst versammeln setzen wir unser Vertrauen auf Gott, dass er uns stärkt diese christlichen Haltungen im Alltag zu leben. Bei der Pilgerfahrt nach Medjugorje in der vergangenen Woche durfte ich wieder erleben, wie sehr Menschen im Gebet und in der Heiligen Messe, in der Anbetung Kraftquellen für ihr Leben entdecken und wieder neu Ja sagen können zu ihrer Lebensaufgabe, die nicht ohne Kreuz ist und die nur gelebt werden kann, wenn die Kraft da ist, sich zurücknehmen zu können und selbstlos Gutes zu tun. Amen.

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