Predigt zum 23. Sonntag im Jkr. Lj C (Pfr. Rupert Toferer, Kössen/Schwendt; gedanklich angeregt durch P. Hans Buob, Biblische Predigten zu den Sonntagsevangelien, Lj C, 307-308).

Im heutigen Evangelium haben wir gehört, dass Jesus sich an Menschen wendet, die ihn auf seinem Weg nach Jerusalem begleiten. Er gibt ihnen eine Belehrung darüber, was es bedeutet ihm nachzufolgen. Er spricht nicht allgemein zu den Menschen, sondern an Einzelne: „Wenn Jemand zu mir kommt …“, heißt es. Wenn also jemand sich entscheidet ihm zu folgen, ein Jünger oder eine Jüngerin von ihm zu sein, dann ist das nur möglich, wenn er frei ist von Bindungen an Menschen und von Bindungen an sich selber.

Ein Jünger ist jemand, dem es nicht mehr um sich selber, und um seine Interessen geht, sondern um das, was der Herr will. Das kann er nur, wenn er sich von irdischen Bindungen loslöst.

Die Geschichte der Kirche ist voll von Menschen, die das gelebt haben. Wir sehen es zum Beispiel am Leben des heiligen Franziskus. Er ist der Sohn eines reichen Tuchhändlers gewesen und wollte Ritter werden. Nach einer einjährigen Kriegsgefangenschaft und einer Pilgerreise nach Rom hat er sich öfter in eine kleine verfallene Kapelle unterhalb von Assisi zurückgezogen und dort eines Tages vom Kreuz herab die Worte gehört: „Franziskus, stelle mein Haus wieder her“. Er hat angefangen Stoffballen aus dem Lager seines Vaters zu verkaufen, um damit das Kirchlein zu erneuern.

Sein Vater aber ist auf ihn wütend geworden und hat von ihm das Geld zurückgefordert. Vor dem Bischof und einer großen Menschenmenge ist es zum Streit und zur Entscheidung gekommen. Franz hat auf sein Erbe verzichtet und hat auch noch seine Kleider ausgezogen, sie dem Vater zurückgegeben und ist nackt aus der Stadt fortgelaufen. Barfuß und nur mit einer groben Kutte bekleidet, ist er durch das Land gezogen und hat den Menschen das Evangeliums gebracht, ist den Kranken beigestanden und hat zu den Tieren von der Liebe Gottes gepredigt. (Vgl. Erhard Gorys, Lexikon der Heiligen, dtv München 1998, S. 105-106)

Am Beispiel des heiligen Franziskus hat sich dieses Wort Jesu verwirklicht: „Wenn jemand zu mir kommt und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, ja sogar sein eigenes Leben gering achtet, dann kann er nicht mein Jünger sein“.

Was hat den heiligen Franziskus und viele Heilige bewegt alles zu verlassen und dem Ruf Jesu zu folgen?

Der heilige Franziskus hat im Blick auf das Kreuz erkannt, wie sehr er von Gott geliebt ist. Er hat die Liebe Jesu erkannt, der Ja gesagt hat zum Willen des Vaters und bereit war sein Leben gering zu achten und es hinzugeben, damit uns die Sünden vergeben werden. Er hat die Liebe des Vaters erkannt, der seinen Sohn hingibt und will, dass wir an Jesus glauben und ihn als Heiland annehmen, aber nicht nur als Heiland, sondern auch als auferstandenen Herrn, der zu den Aposteln gesagt hat: „Darum geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern“ (Mt 28,19). Vom auferstandenen Herrn hat Franziskus sich rufen lassen.

Liebe Brüder und Schwestern!

Im Alltag gibt es oft Situationen, die ein Ruf an uns sind Jesus nachzufolgen, indem wir uns für sein Wort entscheiden ohne darauf zu achten, was sich dabei die Menschen denken. Zum Beispiel jemand entscheidet sich einem Menschen Gutes zu tun, der von anderen verachtet wird; oder ein Kind entscheidet sich Ministrant zu werden, auch wenn seine Mitschüler darüber lachen, oder ein Abteilungsleiter erlaubt es nicht, dass unsittliche Bilder in der Produktionshalle angebracht werden. Jesus selbst – sein Wort – ist die Kraft sich von Bindungen von Menschen zu lösen, ohne die es nicht möglich ist ihm in solch konkreten Situationen zu folgen.

Die Gottesmutter Maria, deren Geburtsfest wir heute feiern, hat uns das schönste Beispiel gegeben, sich von Bindungen an das Irdische zu lösen und sich für den Willen Gottes zu entscheiden. Sie hat dem Engel, der überraschend in ihr Leben eingetreten ist, die Antwort gegeben: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast“ (Lk 1,38). Amen.

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