Predigt zum 6. Sonntag, Jkr. A, 2020 (Rupert Toferer, Kössen/Schwendt; inhaltlich angeregt von P. Hans Buob, Bibl. Predigten zu den Sonntagsevangelien, Lj. A, S. 220-228)

Wir haben heute einen längeren Abschnitt aus der Bergpredigt Jesu gehört. Es sind Worte, die er an seine Jünger richtet. Damit sind nicht nur die Apostel gemeint, die alles verlassen haben und ihm nachgefolgt sind. Es ist der Wille Gottes, dass alle Menschen Jünger Jesu werden. „Geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vater und des Sohnes und des Heiligen Geistes, …“, hat der Auferstandene den Aposteln aufgetragen. Dort, wo wir hingestellt sind, in Ehe und Familie, am Arbeitsplatz, in Beruf und Freizeit sollen wir als Jünger Jesu leben.

Heute haben wir gehört, dass die Gerechtigkeit der Jünger Jesu größer sein soll als die der Schriftgelehrten und der Pharisäer. Gerechtigkeit ist dort gegeben wo das Wort und die Lehre Jesu mit dem Leben des Menschen übereinstimmen.

Die Pharisäer und die Schriftgelehrten haben geglaubt, wenn sie wörtlich erfüllen, wenn sie rein äußerlich tun, was im Gesetz geschrieben steht, dann sind sie vor Gott gerecht, ohne dabei zu achten mit welcher Gesinnung oder Absicht sie es tun.

Die größere Gerechtigkeit, von der Jesus spricht, besagt, dass in den Geboten Gottes ein noch tieferer Sinn enthalten ist, als er wörtlich besagt und den gilt es zu erkennen und zu tun.

Anhand von Beispielen bringt Jesus den tieferen Sinn der Gebote, die größere Gerechtigkeit, zum Ausdruck:

Er erinnert sie zuerst an das 5. Gebot: „Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst nicht töten; wer aber jemand tötet, soll dem Gericht verfallen sein. Ich aber sage euch: Jeder, der seinem Bruder auch nur zürnt, soll dem Gericht verfallen sein“. Damit ist ausgesagt, dass es beim 5. Gebot nicht nur um den Schutz des Lebens geht, das unantastbar ist, sondern dass es überhaupt um das Verhältnis der Menschen untereinander geht.

Jesus nennt hier den Bruder, das heißt es geht um ein geschwisterliches Verhältnis der Menschen untereinander.

Dieses brüderliche Verhältnis unter den Menschen ist nicht erst zerstört, wenn jemand umgebracht wird, sondern wenn jemand auf einen anderen zornig ist oder entwürdigende Worte zu ihm spricht. Der Wille Gottes ist, dass es unter den Menschen den Frieden gibt. Der ist schon zerstört, wenn jemand böse Gedanken oder böse Worte gegen einen Mitmenschen aufkommen lässt. Da kann sich jeder fragen: Wie oft habe ich schon gedanklich oder mit Worten jemanden verletzt oder gar gemordet?

Auch mit dem sechsten Gebot ist es so, dass es nicht erst übertreten ist, wenn Ehebruch in der Tat geschehen ist.  Dieses Gebot ist schon übertreten, wenn sich der Mensch von seinen Augen verleiten und im Herzen ein falsches Begehren aufkommen lässt. Es geht also um die innere Haltung, um die Reinheit im Herzen. Unsere Sinne, der Sehsinn, der Tastsinn, oder die anderen Sinne, sind Versuchungen ausgesetzt und können sich zum Bösen verleiten lassen.

Auch bei dem alttestamentlichen Gebot: „Du sollst keinen Meineid schwören, …“ entgegnet Jesus: „Schwört überhaupt nicht. Euer Ja sei ein Ja und euer Nein ein Nein“. Er stellt das „Schwören unter Menschen“ oder „einen Eid ablegen“ überhaupt in  Frage. Es braucht sie  nur, weil unsere Ja nicht immer ein Ja und unser Nein nicht immer ein Nein ist. Gottes Wille ist ein offenes und ehrliches Verhältnis unter den Menschen.

Liebe Brüder und Schwestern!

Wie ist es möglich diese größere oder tiefere Gerechtigkeit zu erfüllen. Jesus ist gekommen, nicht um das Gesetz aufzuheben, sondern zu erfüllen. Er hat mit seinen Gedanken, mit seinem Herzen und Taten, mit seiner ganzen Person den Willen Gottes bis ins Letzte erfüllt. Er lädt uns ein, dass wir zu ihm kommen und uns von ihm erlösen lassen und von ihm Kraft für unser inneres Leben empfangen. Er selber macht uns fähig so zu denken, zu reden und zu handeln, dass die Menschen um uns etwas davon spüren, dass wir seine Jünger sind. Amen.

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