Predigt zum 7. Sonntag i. Jkr. Lj A, 2020 (Pfr. Rupert Toferer, inhaltlich angeregt durch P. Hans Buob, Biblische Predigten zu den Sonntagsevangelien, Lj A, S 229-232)

Im heutigen Evangelium haben wir das Kernstück der Bergpredigt gehört, die Worte von der Feindesliebe. Mit dem Feind sind wohl nicht nur Menschen gemeint, die uns nach dem Leben trachten, sondern auch jene, von denen wir bewusst oder unbewusst verletzt worden sind mit Worten, Taten oder durch ihr Verhalten.

Jesus verkündet jene Liebe, von der Paulus im Korintherbrief sagt, dass sie niemals aufhört, dass sie alles erträgt, dass sie allem standhält. Die Bergpredigt ist an die Jünger Jesu gerichtet, an jene, die oft viel mitmachen, weil sie sich für ihn entschieden haben, weil sie zu ihm gehören und sein Evangelium leben und verkünden. Sie können ihren Auftrag nicht fruchtbringend erfüllen, wenn sie nicht erfüllt sind mit dieser Liebe, die nicht aufhört, die alles erträgt, die allem standhält.

Im Evangelium ist für die Liebe zu den Feinden das griechische Wort „agapao“ verwendet. Das ist mehr als die freundschaftliche Liebe, für die es im griechischen das Wort „phileo“ gibt, was so viel wie „gern haben“ bedeutet. Mit „agapao“ ist die „sich hingebende“ und „sich verschenkende“ Liebe gemeint. Das ist die göttliche Liebe, der Heilige Geist, den Jesus schenkt. Die Jünger können ihren Auftrag nicht erfüllen, wenn sie nur auf ihre eigene Kraft vertrauen, sondern anerkennen, dass sie selber schwach sind und dass Gott stark ist. Sie können nur Jünger Jesu sein, wenn sie immer wieder bei Jesus verweilen und von ihm Kraft empfangen.

Auch wenn wir uns entscheiden im Alltag als Jünger und Jüngerin Jesu zu leben, indem wir in seinem Sinne sprechen oder handeln oder einen Dienst für ihn übernehmen, kommt es vor, dass wir nicht nur anerkannt, sondern manchmal sogar entmutigt werden. Da braucht es diese göttliche Liebe, um durchzuhalten.

Ich kann zum Beispiel von einer Mitarbeiterin in einer Pfarre berichten, die sich entschieden hat den Blumenschmuck in der Kirche zu übernehmen. Sie hat von den Leuten kaum eine Wertschätzung und Dankbarkeit erhalten, stattdessen ist ihr mehrmals gesagt worden, was nicht passt, was besser gemacht werden könnte. Diese Tätigkeit konnte sie nur weitermachen, weil sie das Gebet und die Heilige Messe nicht vernachlässigt. Auch für die Caritassammler, die im März wieder von Haus zu Haus gehen, braucht es diese innere Kraft der Liebe, um an der Türe bei den Menschen freundlich zu bleiben.

Ein Beispiel für die Liebe von der Jesus im heutigen Evangelium spricht, hat uns der heilige Klemens Maria Hofbauer gegeben. Es ist ein eher extremes Beispiel, indem aber auch etwas Humor verpackt ist, was ja jetzt in der Zeit um den Fasching passt:

 

Der hl. Klemens Maria Hofbauer betrat um das Jahr 1800 in Warschau ein Gasthaus der Vornehmen und Reichen, um Geld für seine Waisenkinder zu sammeln. An einem Tisch saßen zwei preußische Offiziere. Pater Hofbauer bat sie: „Geben Sie mir bitte eine Spende für mein Waisenheim!“ Einer der Herren warf sich in Positur, verzog verächtlich das Gesicht, räusperte sich tief und spuckte Hofbauer voll ins Gesicht: „Nimm das und hau ab, du Pfaff!“ Klemens Hofbauer blieb ruhig stehen, zog sein Taschentuch, wischte sich das Gesicht ab, schaute dem aggressiven Offizier in die Augen und sprach: „Meine Herren, das war für mich, und jetzt geben Sie mir etwas für meine Waisenkinder“! Das brachte die Herren durcheinander. Ihr Hohn wandelte sich in Verlegenheit. Schließlich zogen sie ihre Börse und spendeten eine respektable Summe. (entnommen einer Predigt von Pater Bernhard Bossert vom 12.02.2017 – 7. Sonntag im JK, im Predigtforum der Redemptoristen)

Liebe Gläubige!

Wir sehen an diesem Beispiel welche Kraft für die Liebe Jesus einen Menschen schenkt, der sich entschieden hat mit ihm zu leben und reichlich von ihm zu empfangen. Amen.

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