Predigt zu Allerheiligen 2020 (Pfr. Rupert Toferer, Kössen Schwendt)

Wir glauben, dass die Menschen, die wir als Selige oder Heilige verehren, bei Gott im Himmel sind. Die Offenbarung des Johannes spricht von einer unzählbaren Schar aus allen Nationen und Völkern, die in weißen Gewändern vor dem Thron und vor dem Lamm standen (Off 7,9). Um bei Gott sein zu können, ist es notwendig heilig zu sein. Gott ist heilig. „Seid heilig, weil ich heilig bin“, mahnt der Apostel Petrus (1 Petr 1,16).

Wie aber sind Menschen heilig geworden? Da hilft uns vielleicht der Vergleich mit dem Mond, der in der Nacht leuchtet und die Erde erhellt.  Er leuchtet nur, weil er von der Sonne angestrahlt wird. Er empfängt das Licht von der Sonne und lässt es auf die Erde strahlen. So ist es mit den Heiligen. Sie sind nicht von sich aus heilig geworden. Sie haben sich von Jesus Christus, der wahren Sonne, anstrahlen lassen und sind so selber zum Licht geworden. Sie haben sich viel Zeit genommen in seiner Gegenwart zu verweilen. Sie haben die Gelegenheiten genützt die heilige Messe mitzufeiern und vor dem Tabernakel in der Kirche oder Kapelle zu verweilen. Von der heiligen Mutter Teresa wissen wir, dass sie die Zeit für die Anbetung für sich und die Mitschwestern verdoppelt hat, als der Dienst an den Armen mehr geworden ist.

Die Heiligen sind nicht Menschen ohne Fehler gewesen. Ihnen ist es nicht immer gelungen geduldig und liebevoll zu sein. Sie haben alle auch an den Schwächen ihrer Natur gelitten. Sie haben sich aber immer wieder der Vergebung geöffnet, die Jesus durch das Kreuz erworben hat und besonders durch das Bußsakrament schenkt. Sie sind jene Menschen, die das Gewand ihrer Seele im Blute des Lammes weiß gemacht haben (Off 7,15). Dazu hat Gott seinen Sohn in die Welt gesandt und ihn für uns hingegeben, um uns von den Sünden zu reinigen und uns für den Himmel fähig zu machen. Allerheiligen ist somit das Erntedankfest des Paschamysteriums Jesu, seines Todes und seiner Auferstehung. Die Heiligen sind eine Frucht der siegreichen Gnade Gottes. (Vgl. Direktorium Spirituale, Nov. 2020, S 3) Die Früchte im Leben der Heiligen sind die Haltungen, die Jesus im Evangelium seligpreist: „Selig, die arm sind vor Gott, …“.  Selig, die  Trauernden, … Selig, die Sanftmütigen, …“.

Die Heiligen haben erkannt, dass sie nicht glücklich sind, wenn sie viel besitzen und reich sind, sondern nur, wenn sie tun, was Gottes Wille ist. Das erfüllt sie mit einer viel tieferen inneren Freude.

Mit den Trauernden, die Jesus seligpreist, sind jene Menschen gemeint, die traurig sind, weil etwas geschieht, was nicht der Wahrheit entspricht. Es ist heute schon so, dass menschliches Tun, das nicht der Wahrheit entspricht, selbstverständlich geworden ist und sich niemand mehr dagegen auflehnt. Der emeritierte Papst Benedikt XVI. hat in seinem Buch Jesus von Nazareth über diese zweite Seligpreisung die Worte geschrieben: „Es sind Menschen, die nicht mit den Wölfen heulen, die sich nicht in das Mitläufertum mit dem selbstverständlich gewordenen Unrecht hineinziehen lassen, sondern darunter leiden“ (Band I, S. 117).

Mit den Sanftmütigen, die Jesus seligpreist, sind Menschen gemeint, die wegen ihres Gehorsams zu Gott von den Menschen benachteiligt werden, aber nicht mit Gewalt reagieren, sondern ihnen gegenüber milde bleiben und nicht aufhören ihnen Gutes zu tun.

Liebe Brüder und Schwestern!

Diese und auch die anderen Haltungen, die  Jesus seligpreist, sind Früchte, die er in den Menschen, die sich für ihn öffnen, wachsen lässt. Bitten wir die Heiligen im Himmel um ihre Fürsprache bei Jesus, dass immer mehr Menschen ihn als die wahre Sonne in ihrem Leben entdecken und sich von ihm anstrahlen lassen, und so selber zum Licht für die Welt werden. Amen.

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