Predigt zum 32. Sonntag im Jahreskreis, Lj. A

(Pfr. Rupert Toferer, Kössen/Schwendt; gedanklich angeregt von P. Hans Buob, Biblische Predigten zu den Sonntagsevangelien Lesejahr A, S. 393-399)

Im Gleichnis des heutigen Evangeliums sind mit den zehn Jungfrauen wir Christen gemeint, mit dem Bräutigam unser Herr Jesus Christus. Das Gleichnis regt uns an über unser Leben als Christen nachzudenken. Gehören wir zu den klugen oder den törichten Jungfrauen? Das Gleichnis sagt uns, dass wir in eine ganz innige Beziehung zu Christus gerufen sind, die mit der Taufe begonnen hat.

Der heilige Apostel Paulus sagt, dass wir auf den Tod Christi getauft worden sind (Röm 6,3f). Das heißt, wir sind hineingenommen worden in die größte Liebe unseres Herrn Jesus Christus. Er hat den kostbarsten Preis bezahlt, sein Blut vergossen, damit wir losgekauft sind vom dem Bösen und ihm gehören. Wir sind seine Braut geworden und leben als Christen in dieser bräutlichen Beziehung zu ihm.

Dass wir dazu fähig sind, hat er uns schon bei der Taufe mit dem Heiligen Geist gesalbt, der uns die Tugenden schenkt an Gott glauben, auf ihn hoffen und ihn lieben zu können. Der Heilige Geist ist das Öl in den Lampen von dem das Gleichnis spricht. Er ist die Kraft für diese innere Beziehung zum Bräutigam: Nach ihm zu verlangen, ihn zu lieben, ihn zu erwarten. Unser christliches Leben besteht darin, dafür zu sorgen, dass dieses Öl in unserer Seele, diese Liebe zum Bräutigam nicht ausgeht. Klug sein im christlichen Leben bedeutet daher, das zu tun, was diese innere Beziehung zu ihm nährt und stärkt: Sich Zeit nehmen für ihn, bei ihm zu verweilen, ihn zu loben, zu preisen, ihm zu danken, und vor allem auf ihn zu hören und das zu tun, was er sagt. Am Schluss der Bergpredigt spricht Jesus von der Klugheit, wenn er sagt: „Jeder, der diese meine Worte hört und danach handelt, ist wie ein kluger Mann, der sein Haus auf Fels baute“ (Mt 7,24).  

Jesus lieben bedeutet auch ihm in den Mitmenschen Gutes zu tun, wozu besonders die gegenwärtige Zeit der Viruspandemie viele Möglichkeiten bietet, wie zum Beispiel einen Menschen in Quarantäne anzurufen und ihm so etwas Nähe zu schenken.

Das Gleichnis hat eine sehr ernste Botschaft. Es besagt, dass es ein zu spät gibt. Als der Bräutigam nach langer Zeit plötzlich kommt, haben alle zehn Jungfrauen ihre Lampen bei sich. Aber fünf von ihnen haben kein Öl mehr, das heißt, in ihrem Inneren ist das Empfinden für ihn, die Liebe zu ihm, das Verlangen nach ihm erloschen. Die fünf klugen Jungfrauen haben Öl in Krügen mitgenommen, sie haben die Beziehung zum Bräutigam gelebt, ihr Herz bewahrt vor der Anhänglichkeit an irdische Dinge. Obwohl der Bräutigam mitten in der Nacht gekommen ist, sind sie im Inneren wach geblieben für seine Ankunft und sind ihm mit brennenden Lampen entgegengegangen.

Liebe Brüder und Schwestern!

Es ist eine ganz große Botschaft, dass wir auf eine himmlische Hochzeit zugehen, auf eine ewige Hochzeit, die nicht mehr endet und uns nicht mehr in den oft harten Alltag entlässt. Dieses Gleichnis weckt uns auf nach unserer Beziehung zu Christus zu fragen. Lebe ich eine innere Beziehung zu ihm, die Beziehung der Braut zum Bräutigam? Erbitten wir dazu auch die Hilfe der Gottesmutter Maria, die uns das schönste Beispiel gegeben hat als kluge Jungfrau zu leben. Amen.

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