Predigt zum 33. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A

(Pfr. Rupert Toferer, Kössen/Schwendt; gedanklich angeregt von P. Hans Buob, Biblische Predigten zu den Sonntagsevangelien Lesejahr A, S. 400-406)

Das Gleichnis von einem reichen Mann, der auf Reisen geht und seinen Dienern sein ganzes Vermögen anvertraut, erinnert uns daran, dass wir von Gott mit Gaben und Fähigkeiten beschenkt sind. Sie sind uns anvertraut, das heißt, es sind seine Gaben, die wir deshalb nicht egoistisch für unsere Interessen nützen dürfen. Sie sind uns von Gott anvertraut, damit wir sie für ihn einsetzen, für seine Interessen, für das Wachstum des Reiches Gottes, für das Heil der Menschen.

Wir sind mit Gaben beschenkt allein schon durch das Leben, das wir empfangen haben. Wir sind Menschen mit Leib und Seele und mit wunderbaren Fähigkeiten ausgestattet. Wir können Hören, Sprechen, wir können Lachen und Trauern und vieles andere.

Als Christen sind wir mit der Gabe des Heiligen Geist beschenkt, der in uns bewirkt, dass wir glauben, hoffen und lieben können. Die Fähigkeit an Gott zu glauben, der die Welt erschaffen hat und an Jesus Christus, den Sohn Gottes, den der himmlische Vater gesendet hat als unseren Herrn und Heiland, ist eine Gabe Gottes. Sie ist uns nicht nur für unser eigenes Heil gegeben, sondern auch, dass wir sie  weitergeben in der Familie an die Kinder, am Arbeitsplatz oder im Freundeskreis, indem wir einem Gespräch über den Glauben nicht ausweichen, in der Pfarre, indem wir beim Gottesdienst auch an andere Menschen denken und für sie um diese Gabe bitten.

Auch wenn jemand eine gute Stimme hat, ist das eine Gabe Gottes, die ihm anvertraut ist. Er dient mit dieser Gabe dem Heil der Menschen, wenn er sie einsetzt, um mit Liedern Gott zu loben und zu preisen. Ein schöner Gesang hat die Kraft die Herzen der Menschen für Gott zu öffnen. Oder er dient Gott mit der Gabe einer guten Stimme, indem er als Lektor das Wort Gottes vorträgt.

Das gut verständlich gesprochene Wort Gottes dringt ein in die Herzen und geht wie ein Same auf und bringt Frucht.

Die größte Gabe, die uns Gott anvertraut hat, ist die Liebe, die Fähigkeit Gott und die Nächsten zu lieben. Wir dienen Gott mit dieser Gabe, wenn wir uns vom Eigenwillen loslösen und unsere Kraft einsetzten, um das zu tun was Gott will. Wir dienen dem Nächsten, wenn wir ihm Zeit und Aufmerksamkeit schenken, wenn wir geistige und materielle Güter mit ihm teilen. Wir begehen heute auch den Welttag der Armen, der unter dem Motto steht: „Streck dem Armen deine Hand entgegen“. Wir strecken ihm die Arme entgegen, wenn wir ihm helfen das zu haben, was er für das Leben braucht: Arbeit, Nahrung, Kleidung, Obdach …

Auch Eheleute dürfen die Liebe, die sie im Ehesakrament empfangen, als Gabe sehen, die ihnen Gott anvertraut. Sie setzen diese Gabe der ehelichen Liebe ein, wenn sie einander helfen und Gutes tun, wenn sie einander verzeihen und ertragen und immer wieder annehmen.

Im Gleichnis ist davon die Rede, dass einer von den Dienern sein Talent vergraben hat. Jesus nennt ihn einen faulen und schlechten Diener. Er hat sein Talent nicht für den Herrn eingesetzt, sondern nur egoistisch für sich selber gelebt. Bei der Ankunft des Herrn kann er nicht eingehen in die Freude des Herrn.

Liebe Brüder und Schwestern!

Das Gleichnis ruft uns auf wachsam zu sein, indem wir uns nicht für ein bequemes Leben entscheiden, sondern die uns anvertrauten Gaben und Fähigkeiten im Interesse Gottes einsetzen, damit sein Reich dort, wo wir hingestellt sind, wachsen kann und sich entfaltet. Der Gedanke, dass den Dienern Gottes etwas unendlich Großes erwartet, für immer am Freudenfest des Herrn teilnehmen zu dürfen, ermutigt und drängt uns dazu. Amen.

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