Predigt zum 3. Sonntag im Jahreskreis – Bibelsonntag

(Pfr. Rupert Toferer, Kössen/Schwendt; inhaltlich angeregt durch Gedanken von P. Hans Buob, Biblische Predigten zu den Sonntagsevangelien, Lj. B S 190-192)

Wir haben gehört, dass Jesus im Markusevangelium seine öffentliche Verkündigung mit den Worten beginnt: „Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium!“

Mit der Ankunft des Sohnes Gottes bei den Menschen ist die Zeit erfüllt. Die lange Zeit der Ankündigung und Erwartung des Messias ist nun vorbei. Die Sehnsucht der Menschen nach Erlösung und Heil wird in Jesus erfüllt für all jene, die ihn annehmen und sein Wort.

Mit Jesus ist das Reich Gottes nahe herbeigekommen. In ihm hat Gott seinen geliebten Sohn zu uns gesandt, durch den er sein Reich der Liebe, der Gerechtigkeit und des Friedens in den Herzen der Menschen aufbauen will. Damit das Reich Gottes bei den Menschen ankommen kann, ist es notwendig umzukehren.

Das griechische Wort für umkehren heißt wörtlich umdenken oder anders denken. Das haben wir alle nötig, weil wir alle an den Folgen der Erbsünde leiden, durch die wir auf uns selbst geworfen sind. Die ursprüngliche Fähigkeit des Menschen auf Gott bezogen zu sein, auf ihn zu hören und auf ihn hin zu leben ist gestört worden. Der heilige Augustinus sagt: „Unser Herz ist zurückgekrümmt auf uns selbst“. Wir denken von uns her und fragen was bringt es uns, was nützt es uns? Umkehren bedeutet umdenken, nicht mehr von uns her, sondern von Gott her denken.

An das Evangelium glauben heißt an Jesus Christus glauben. Er ist der Inhalt des Evangeliums. Er ist der Weg, der zum Vater führt. Glauben ist mehr als ein rein gedankliches Geschehen. Glauben heißt im Althochdeutschen geloben, anvertrauen. Glauben meint sich dem Herrn Jesus anzuvertrauen. Das Lateinische Wort für glauben „credere“ bedeutet Ihm das Herz geben.

Die erste Predigt Jesu lautet demnach: „Denkt um, denkt von Gott her und vertraut euch ihm an und seinem Wort. Gebt euch ganz in seine Hand“.

Wir feiern den Bibelsonntag. Er soll uns helfen wieder mehr zu schätzen, dass Gott zu uns gesprochen hat und zu uns spricht. Seine Worte sind der Same, indem die Kraft ist aufzugehen, zu wachsen und Frucht zu bringen. Welche Kraft im Wort Gottes ist, haben wir auch in der heutigen Lesung und im Evangelium gehört.  In den Worten, mit denen der Prophet Jona in der Stadt Ninive Umkehr gepredigt hat, ist die Kraft gewesen, die Einwohner der Stadt sehend zu machen, wo sie sich verirrt haben und sie zu bewegen sich vom Bösen abzuwenden und ihr Leben zu ändern. In den Worten, mit denen Jesus am See Genezareth die ersten Apostel gerufen hat, ist die Kraft gewesen, sie zu bewegen alles zu verlassen und Jesus zu folgen. In seinem Schreiben, mit dem Papst Franziskus den Sonntag des Wortes Gottes eingeführt hat heißt es:

„Als Christen sind wir ein Volk, das in der Geschichte unterwegs ist, gestärkt durch die Gegenwart des Herrn in unserer Mitte, der zu uns spricht und uns nährt. […]. Wir verspüren nämlich die dringende Notwendigkeit, uns mit der Heiligen Schrift und dem Auferstandenen eng vertraut zu machen, der nie aufhört, das Wort und das Brot in der Gemeinschaft der Gläubigen zu brechen. Aus diesem Grund müssen wir zu einer ständigen Vertrautheit mit der Heiligen Schrift gelangen, sonst bleibt das Herz kalt und die Augen verschlossen, da wir, wie wir nun einmal sind, von unzähligen Formen der Blindheit betroffen sind“

(Aperuit illis Nr.8). Amen.

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