Predigt zum 2. Fastensonntag, Lj B – Familienfasttag 2021

(Pfr. Rupert Toferer, Kössen/Schwendt)

Jedes Jahr hören wir am 2. Fastensonntag das Evangelium von der Verklärung Jesu am Berg. Jesus nimmt drei von seinen Jüngern beiseite und führt sie auf einen hohen Berg, um sie im Glauben zu stärken, dass er der Messias ist: Er tut es einerseits dadurch, dass er vor ihren Augen verwandelt wird und sie so seine göttliche Herrlichkeit sehen, andererseits auch dadurch, dass die beiden Vertreter des Alten Testamentes, Mose und Elija, erscheinen, von denen man erwartete, dass auch sie zur Zeit des Messias wiederkommen würden, um das Volk für ihn vorzubereiten (Vgl. Pustet Taschenmessbuch, die Sonntage im Lesejahr B, Regensburg 1984, S. B/117). Und besonders ist es die Stimme Gottes aus der Wolke: „Dies ist mein geliebter Sohn“, die sie im Glauben an Jesus als den von Gott verheißenen Messias festigt.

Aber beim Hinabsteigen verbietet er ihnen jemanden zu erzählen, was sie gesehen haben, bis er von den Toten auferstanden sei.  Sie haben zwar jetzt den festen Glauben, aber sie haben noch nicht das ganze Verständnis über den Messias. Erst nach der Auferstehung Jesu dürfen sie verkünden, was sie am Berg erlebt haben, dann erst wird ihnen allmählich verständlich sein, dass zur Sendung des Messias auch das Leiden, der Tod und die Auferstehung gehören.

Die Stimme aus der Wolke hat den Jüngern nicht nur bestätigt wer Jesus ist, sondern ihnen auch zugerufen: „Auf ihn sollt ihr hören“. Gott hat gesprochen durch die Propheten, durch Menschen, die er auserwählt hat. Jetzt aber spricht er durch seinen Sohn, den er in die Welt gesandt hat. Jesus ist das menschgewordene Wort Gottes. Gott spricht also in Jesus sozusagen mit seinem eigenen Mund. Jesus ist daher der wahre Bergführer, der alle Menschen mit dem Wort seines Vaters auf den Gipfel des ewigen Lebens führen will.

Er spricht nicht nur mit seinem Mund zu uns, sondern auch durch sein Tun. Auf ihn hören heißt daher auch auf ihn zu schauen. Besonders am Kreuz sehen wir ihn, als einen, der losgelassen hat von allem irdischen Besitz. Nichts mehr gehört ihm, nur mehr das Kreuz und der himmlische Vater, dem er sich ganz anvertraut hat. Aber, wenn er Gott hat, hat er alles. „Gott allein genügt“, sagt die heilige Teresia von Avila. Sich für ihn als Bergführer unseres Lebens zu entscheiden, bedeutet daher, ihm in dieser Haltung der Armut nachzufolgen, losgelöst zu sein von Bindungen an irdische Dinge.

Unser Herr Erzbischof, Dr. Franz Lackner, hat in seinem Hirtenwort zum Familienfasttag darüber gesprochen, dass uns eigentlich in dieser Welt nichts gehört, nicht einmal unser Besitz, denn auch er ist Windhauch, vergänglich. Ausgehend von dem Vers aus Psalm 115: „Der Himmel ist der Himmel des Herrn, die Erde aber gab er den Menschen“, schreibt der Erzbischof: „Erde, Leben, Zeit und Geschichte gehören nicht uns, aber sie sind uns gegeben, anvertraut. Wenn wir erkennen, dass uns die Dinge nicht gehören, dann merken wir auch, dass wir nicht damit tun können, was uns beliebt. Sie sind uns anvertraut, um allen zu dienen“.

Liebe Brüder und Schwestern!

Der Familienfasttag ist auch für uns eine Gelegenheit etwas loszulassen von irdischen Dingen und bereit zu sein für das Geben. Der Blick auf Jesus stärt uns dazu. Er hat losgelassen nicht nur von irdischem Besitz, sondern auch von seinem Leben, damit wir das Leben haben. Er hat sein Leben ganz mit uns geteilt. Er stärkt uns in dieser Haltung, damit auch wir anderen das Leben ermöglichen. Er stärkt uns nach dem Motto der Fastenaktion zu handeln: „Teilen spendet Zukunft“, nicht nur irdische, sondern im Glauben an Jesus auch ewige Zukunft. Amen.

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