Predigt zum 3. Fastensonntag, Lj B, 2021

(Pfr. Rupert Toferer, Kössen/Schwendt)

Mit der Austreibung der Viehhändler und Geldwechsler im Tempel ist es dem Herrn Jesus darum gegangen die ursprüngliche Ordnung des Tempels wieder herzustellen. Eigentlich ist nichts anderes verkauft worden als Opfertiere und das Geld ist gewechselt worden, um die Opfertiere kaufen zu können, weil die römische Münze mit dem Bild des Kaisers von Juden nicht angenommen werden konnte. Die Händler sind von der jüdischen Behörde für diesen Handel dazu autorisiert worden, aber er hätte nicht im Tempelbezirk stattfinden dürfen, sondern außerhalb.

Der Ort im Tempel, wo dieses Geschäftstreiben stattgefunden hat, ist der Vorhof der Heiden gewesen, jener Ort, den alle Völker betreten durften, um den Gott Israels als den einen Gott anzuerkennen und ihn anzubeten, wie es der Prophet Jesaja weissagte: „…, denn mein Haus wird ein Haus des Gebetes für alle Völker genannt werden“ (56,7). Jesus bringt also mit der Beendigung des Markttreibens im Tempel das wahre Recht Gottes zur Geltung. (Vgl. Josef Ratzinger Benedikt XVI. Jesus von Nazareth II. Teil S. 26-27und 32).

Das Geschäftemachen im Tempelbezirk hat das Herz der Menschen von Gott entfernt und der dabei entstandene Lärm hat es unmöglich gemacht das zu tun, was dem Ort der Gegenwart Gottes entspricht: Die Anbetung Gottes, der Lobpreis, die Danksagung, die Bitte um Segen und  vor allem die Vergebung der Sünden zu empfangen, indem die Pilger das Sühneopfer darbringen ließen.

Auf die Forderung eines Zeichens, das ihn für dieses Vorgehen legitimiert, hat Jesus auf seinen Tod und seine Auferstehung hingewiesen. „Reißt diesen Tempel nieder, in drei Tagen werde ich ihn wieder aufrichten. […] Er aber meinte den Tempel seines Leibes“. Seine unendliche Liebe mit der er sich hingibt und die Auerweckung durch den Vater sind das Zeichen schlechthin an dem sein Volk erkennen soll, dass er der Sohn Gottes ist, wie ihn der Hauptmann unter dem Kreuz bekannt hat (Mk 15,39).

Mit Jesus hat der Tempelkult des Alten Bundes ein Ende genommen. Im Jahre 70 ist der Tempel zerstört und nie mehr wieder aufgebaut worden. Der neue Tempel in dem nun Gott wohnt, ist der Leib des Herrn, der bei der Kreuzigung niedergerissen worden ist. Gott hat ihn wieder aufgerichtet. Der Leib des Auferstandenen Herrn ist der neue Tempel Gottes. Jesus hat uns beim Letzten Abendmahl das Sakrament seine Leibes und Blutes hinterlassen, indem er als der neue Tempel alle Tage bei uns bleibt. Der Ort der Gegenwart Gottes ist also nicht mehr an Jerusalem gebunden, sondern er ist überall dort, wo die Eucharistie gefeiert und Jesus im Tabernakel aufbewahrt wird. Durch dieses Sakrament seines Leibes und Blutes vereinigt der Herr alle Menschen, die an ihn glauben aus allen Völkern und Nationen.

Liebe Brüder und Schwestern!

An uns liegt es die Gegenwart des Auferstandenen Herrn im Allerheiligsten Sakrament zu erkennen und ihn anzubeten und auch unser Gotteshaus von allem fern zu halten, was Menschen hindert hier Gott zu begegnen. Jesus ist gegenwärtig nicht um den Tempel aus Stein zu reinigen, sondern unsere Herzen. Vielleicht wäre ein erster Schritt der Umkehr zu Jesus in dieser österlichen Bußzeit wieder mehr zu entdecken, dass der Herr wirklich und wahrhaftig in den konsekrierten Gestalten von Brot und Wein gegenwärtig ist und wieder häufiger die heilige Messe mitzufeiern und ihn an diesem privilegierten Ort mehr zu besuchen und bei ihm zu verweilen. Die Zeit bei ihm bewirkt nicht nur Reinigung unseres Herzen, sondern auch Füllung mit seinem Geist, der uns fähig macht im christlichen Alltag die Liebe zu leben und selber ein Tempel Gottes zu sein. Amen.

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