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Predigt zum 22. Sonntag im jahreskreis, Lj B, 2021

(Pfr. Rupert Toferer, Kössen/Schwendt; inhaltlich angeregt durch Gedanken von P. Hans Buob, Biblische Predigten zu den Sonntagsevangelien, Lj. B S. 324-327)

Im heutigen Evangelium haben wir gehört, dass Pharisäer und Schriftgelehrte zu Jesus kommen, um ihn zu überprüfen, weil er sich als Lehrer ausgibt. Sie werfen ihm vor, dass sich seine Jünger vor dem Essen nicht die Hände waschen. Damit steht die religiöse Autorität Jesu als Meister auf dem Spiel, denn, wenn er seine Jünger nicht dazu bringt, die Überlieferung der Alten zu beachten, wie kann er dann ihr Meister und Lehrer sein?

Jesus geht mit seiner Antwort nicht auf diesen Vorwurf ein, sondern er kontert mit Worten vom Propheten Jesaja, mit denen er ihr Verhalten als heuchlerisch aufdeckt. „Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, sein Herz aber ist weit weg von mir. Vergeblich verehren sie mich; was sie lehren, sind Satzungen von Menschen“ (Jes 29,13).

Die „Überlieferung der Alten“ sind die vielen einzelnen Vorschriften für den Lebenswandel mit denen die jüdischen Gelehrten das Gesetz des Mose ausgelegt haben. Obwohl die Rabbinen auch dafür die Autorität des Mose in Anspruch genommen haben, sind es doch menschliche Überlieferungen, mit denen zum Teil die Gebote Gottes außer Kraft gesetzt worden sind. Jesus sagt zu ihnen, dass sie Gott mit den Lippen ehren, dass es ihnen nicht wirklich um Verherrlichung Gottes geht, sondern nur darum die Satzungen zu erfüllen.

Diese Worte Jesu, die an die geistlichen Führer des Volkes Israel gerichtet sind, sind Worte Gottes und haben daher über die Zeit hinweg bleibende Bedeutung. Das Wort Gottes ist immer auch Wort Gottes an uns, eine Anfrage an jeden von uns: Wie ehre ich Gott?

Die Lippen sind das Äußere, das Herz ist innerste Mitte der Person. Gott will mit dem Herzen geehrt werden, das heißt, dass wir bei unserem religiösen Tun auch mit unserer Person dahinterstehen.

Zum Beispiel, wenn wir die heilige Messe mitfeiern, dass es uns nicht darum geht eine religiöse Pflicht oder Leistung zu erfüllen, sondern darum, auf Gott hören, ihm begegnen, ihn loben und ehren und sich von ihm nähren lassen zu wollen.

Oder wenn wir das Morgen- oder Abendgebet verrichten, dass es uns wirklich darum geht, Gott zu bitten um seinen Schutz und Segen und ihm zu danken für den Tag. Oder wenn wir den Rosenkranz beten, dass wir an das denken, was wir sagen, also die Gottesmutter mit Liebe grüßen, sie vertrauensvoll bitten und mit ihr auf die Geheimnisse des Lebens Jesu schauen.

Gott mit dem Herzen zu ehren betrifft nicht nur unser Gebet, sondern auch unser Tun. In der zweiten Lesung aus dem Jakobusbrief haben wir die Worte gehört: „Werdet Täter des Wortes, nicht nur Hörer, …! Ein reiner und makelloser Gottesdienst ist es für Waisen und Witwen zu sorgen …“ Der Jakobusbrief nennt also die Sorge um Menschen in Not einen Gottesdienst, eine Tat, mit der wir Gott ehren.

Liebe Brüder und Schwestern!

Auch wir müssen eingestehen, dass es die Haltung, Gott rein äußerlich zu ehren, auch in unserem Leben gibt, zum Beispiel, wenn wir etwas nur aus Gewohnheit tun, einfach um es getan zu haben, oder um unser Gewissen zu beruhigen. Gott hat uns Menschen als sein Abbild geschaffen. Das heißt, er hat uns die geistige Fähigkeit geschenkt in Beziehung mit ihm, in Freundschaft  mit ihm zu leben, ja sogar wie Braut und Bräutigam mit ihm verbunden zu sein. Wir sehr entspricht es daher der Wahrheit ihn mit dem Herzen ehren. Und wenn es nur ein kleines Stoßgebet ist, mit dem Herzen gesprochen, dann hat es seinen Wert. „Jesus, denk an mich, …“. hat der Schächer am Kreuz aus der Tiefe seines Herzens gesprochen und ist dafür unendlich von ihm beschenkt worden. Amen.

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